aktualisiert:
11.04.2014

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Alfred Ley, 1924
(Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Manfred Kaiser)

Alfred Ley

Kommerzienrat, Fabrikant, Pionier des deutschen Automobilbaus.

(* 11.04.1873 in Arnstadt; † 07.12.1945 Ort unbekannt)


Alfred Ley war zwar kein Sudenburger, jedoch verbinden ihn sein Gedenkstein auf dem
Alten Friedhof und seine hier ansässigen Familienangehörigen mit Sudenburg.
(Siehe auch unter Alter Sudenburger Friedhof.)

 

Leben:

Alfred Ley wurde als ältester Sohn Minna und Rudolf Leys (1839-1901) in Arnstadt (Thüringen) geboren. Der Vater hatte dort eine mechanische Werkstatt und kam mit der Erfindung der Schuhpflockmaschine zu wirtschaftlichen Erfolg.

1889 nimmt Alfred Ley ein Studium am Technikum Hildburghausen auf. Mit Abschluss als Elektroingenieur tritt er 1893 in den väterlichen Betrieb ein und gründet die neue Abteilung II für Elektrotechnik (Generatoren- und Elektromotorenbau, sowie Elektroinstallationen). Unter seiner Leitung wird auf dem Betriebsgelände das erste Elektrizitätswerk Arnstadts erstellt. Anfangs versorgt es nur die eigenen Maschinen, danach auch Kunden außerhalb des Betriebsgeländes.

1903 wird das Elektrizitätswerk an die Stadt Arnstadt verkauft.

Nach dem Tod des Vaters übernimmt Alfred Ley 1901 die Leitung der Firma und wendet sich bald darauf mit der neuen Abteilung III dem Automobilbau zu.

Von Ley entwickelte Automobile wurden ab 1906 erstmals unter der Marke „Loreley“ und ab 1918, nach dem 1. Weltkrieg, als „Ley“ verkauft. Wegen des wirtschaftlichen Erfolgs konnte ab 1911 in einer neuen Fabrik, im Norden Arnstadts, produziert werden. Die Verwendung von 6-Zylindermotoren in kleinen Wagen und die Verblockung des Motors mit dem Getriebe finden sich erstmalig bei Ley.

Alfred Ley setzte sich stets für seine Belegschaft und u.a. durch Stiftungen für seine Heimatstadt ein.

1913 wird ihm für seine Verdienste um das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen der Titel Kommerzienrat verliehen.

1922 setzt Ley mit dem Bau der ersten Stromlinienautos einen Meilenstein in der Automobilgeschichte.

Zahlreiche Rennerfolge, teilweise von Ley selbst herausgefahren, machten die Ley Wagen sehr populär.

Ab 1925 stieg die Fa. Ley auch in die Nutzfahrzeugproduktion ein. Es wurden "Schnell-Lastwagen" und auch Omnibusse produziert. Ende 1930 übernahm die Firma M.A.N. den Vertrieb der Ley-LKW in ihr Lieferprogramm.

Die negativen Auswirkungen Weltwirtschaftskrise zwingen die Firma Ley 1933 zur Aufgabe der Automobilproduktion. Das Betriebsgelände der Automobilsparte wird 1935 an die Magdeburger Polte-Werke verkauft.

Der Bestand der Firma war jedoch vor allem durch den von Ley nie vernachlässigten Schuhmaschinen- und Elektromaschinenbau gesichert.

Nach dem Kriegsende 1945 lehnte Alfred Ley ein Angebot der Amerikaner ab, seinen Betrieb in den Westen zu verlagern. Thüringen war bei Kriegsende von den Amerikanern besetzt, musste aber gemäß dem Vertrag von Jalta geräumt und an die Sowjetunion übergeben werden.

Da er stets Distanz zu den Nazis wahrte, hegte Ley keine Pläne Thüringen zu verlassen. Er wusste, dass er politisch unbelastet war. Dass er schon allein aufgrund seiner sozialen Stellung durch die sowjetische Besatzungsmacht höchst gefährdet war, ahnte der Kommerzienrat nicht.

Im September 1945 wurde der 72jährige von russischem Militär zu einer Besprechung geladen, verschleppt und galt seitdem als verschollen. Da es im Vorfeld bereits mehrere Besprechungen bezüglich der Firma gegeben hatte, konnte Alfred Ley von diesem Ausgang nichts ahnen.

1946 wurde die Fabrik von den Sowjets demontiert und die Firma 1947 aus dem Handelsregister gelöscht. Das gesamte Privat- und Firmenvermögen der Familie wurde enteignet, darunter auch die heute denkmalgeschützte 1919/20 erbaute Familienvilla.

Alfred Leys Ehefrau Margarethe blieb in Arnstadt und lebte bis zu ihrem Tod 1969 in Ungewissheit über das Schicksal und den Verbleib ihres Mannes, immer in der Hoffnung auf seine Rückkehr.

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Grab- und Gedenkstelle auf dem Alten Sudenburger Friedhof.
(Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Manfred Kaiser)

Erst 1994 erhielt Leys Tochter Eva aus Moskau eine erste Auskunft zum Verbleib ihres Vaters.
Danach kam Alfred Ley am 07.12.1945 auf dem Transport nach Frankfurt/Oder um. Zu den Todesumständen und dem Verbleib der sterblichen Überreste wurden keine Angaben gemacht.

1995 wurde Alfred Ley "mangels Vorliegens eines Tatbestandes" rehabilitiert.
In Arnstadt wurde ihm zu Ehren eine Straße benannt.


Weitere Informationen:

- http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Ley
- http://www.classic-car-revue.com/deutsch/marken/loreley_ley/loreley_ley.htm
- Villa Ley


Quellen:

Privatarchiv Manfred Kaiser



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