Die Industriegeschichte Sudenburgs

Firmenblatt: Bearbeitungsstand: 22.06.2017

Rassbach & Kralle

Lackfabrik

Firmendaten:

Gründung - Ende: 1876 - 194?
Gründer: Rassbach ? (* 18??, † ????)
Otto Kralle (* 18??, † ????)
Standort(e): Fichtestraße 29
Produkt(e): Herstellung von Öl-, Spiritus & Nitrolacken, Lackfarben und Kunstharzen.
Bemerkungen: Nach 1945 wurde die Fabrik enteignet und nach und nach in eine Forschungseinrichtung umgebaut, die heute noch am Standort tätig ist. 
Briefkopf Rassbach & Kralle von 1921
Briefkopf Rassbach & Kralle von 1921. [Bildquelle: Archiv Sudenburg-Chronik]

Firmenchronik:

Jahr: Ereignis:
1876 Firmengründung der Firma Rassbach & Kralle nahe dem 1872 eröffneten Sudenburger Bahnhof, an der heutigen Fichtestraße 29. Zur Gründungszeit hatte die Straße noch keine offizielle Bezeichnung und fungierte als Fortverbindungsstraße für die Außenforts der Festung Magdeburg.
1885 Die Firmenbezeichnung zu dieser Zeit lautet:
"Rassbach & Kralle, Fabrik chemisch-technischer Producte"

Firmenschriftzug Rassbach & Kralle von 1885
Firmenbezeichnung auf Vertreterkarte von 1885
[Bildquelle: Archiv Sudenburg-Chronik]
1923 Umwandlung eine Aktiengesellschaft: Raßbach & Kralle AG
Ziel der Aktiengesellschaft ist die Herstellung von Öl-, Spiritus & Nitrolacken, Lackfarben und Kunstharzen.
Am 01.03.1925 werden 4.000 Aktien zu je 100 Reichsmark ausgegeben, mit einem Gesamtwert von 400.000 Reichsmark.
1925
Aktie Rassbach & Kralle von 1925
1925 ausgegebene Aktie der Rassbach & Kralle AG über 100 Reichsmark.
[Bildquelle: Archiv Sudenburg-Chronik]
1927 Magdeburger Adressbuch 1927:

Handelsegister (Teil IV des Adr.):
Raßbach & Kralle, Aktiengesellschaft,
Grundkapital 400.000 Rmk., Fichtestraße 29,
Vorstand: Kaufm. Paul Elsholz, hier. (Fbrkbes., Fichtestraße 29)
Ges. Prok.: Wilhelm Buchholz, Reinhold Bauer u. Dr. Phil. Max Gmeiner.
Aufsichtsrat: Senator Wilhelm Schwers, Osnabrück,
Bankier Ernst Schalk, Rechtsanwalt Dr. Alfred Eberhard, Bankdirektor Willy Bornbäumen,
u. Ehefrau Dora Elsholz, geb. Raßbach, sämtlich hier.

Fichtestraße 29:
Eigentümer: Elsholz, P., Fbrkbes.
Eigentümer: Raßbach & Kralle, Lackfbrk.
Buchholz, W., Prokurist
Friese, B., Arbeit. H.1
Jahns, J., Pförtner. 2
Müller,H., Arbeit. H.2

Elsholz besaß lt. Adr. 1927 auch ein Gartengrundstück auf der Nordseite der Sudenburger Wuhne, zwischen Eisenmathes und Ladenthin ("Ladenthin'sches Haus" an der Enckestr.) gelegen, auf dem heutigen FAM-Gelände.
1928 Die "CHEMISCHE UMSCHAU" berichtet in Heft 8.:
"Personalia. Dr. Albert Heupel, ein bekannter Lackfachmann, früher Betriebsleiter der Lackfabrik Hermann Schwarz in Magdeburg, hat die technische Leitung der Lackfabrik Rassbach & Kralle in Magdeburg übernommen."
1932 Magdeburger Adressbuch 1932:

Handelsegister (Teil IV des Adr.):
Raßbach & Kralle, Aktiengesellschaft,
Grundkapital 400.000 Rmk., Fichtestraße 29,
Vorstand: Kaufm. Paul Elsholz, hier. (Fbrkbes., Fichtestraße 29)
Ges. Prok.: Hermann Wadewitz, Reinhold Bauer u. Dr. Phil. Max Gmeiner.

Fichtestraße 29:
Eigentümer: Elsholz, P., Fbrkbes.
Eigentümer: Raßbach & Kralle, A.-G., Lackfbrk.
Öffentlicher Feuermelder
Buchholz, E., WW. 1
Friese, B., Arbeit. H.1
Müller,H., Arbeit. H.2
Schulze, R., Pförtner.
1937
Werbaaufdruck Rassbach & Kralle von 1937
Postkartenwerbeaufdruck der Rassbach & Kralle AG aus dem Jahr 1937:
"Rakralfirniße auf synthetischer Basis vorteilhafter als Leinölfirnis"
[Bildquelle: Archiv Sudenburg-Chronik]
1941 Fabrikbesitzer Paul Elsholz verstirbt.
Paul Elsholz (* 05.05.1878, † 15.09.1941) verstirbt im Alter von 63 Jahren und wird auf dem Alten Sudenburger Friedhof beigesetzt. Neben seiner beruflichen Täigkeit war Elsholz auch Ehrenamtlich tätig. So gehörte er (nwl. 1927) dem Gemeindekirchenrat der ev. St. Ambrosiusgemeinde an.
1942 Patentanmeldung:
Die Raßbach & Kralle AG meldet ein von Gerhard Klinkig erfundenes "Verfahren zur Herstellung nicht absetzender pigmentierter Lacke" zum Patent an.
Veröffentlichungsnummer: DE740054 C, Eingetragen am 08.04.1942, Veröffentlicht am 11.10.1943.
Quelle: Google / Patente
 
Werbaaufdruck Rassbach & Kralle von 1937
Doppelseitige Werbung der "Rassbach & Kralle AG, Abteilung Firnes-Fabrik" aus den 1940er Jahren.
Beworben werden die vier Sorten:
Rakra-Firnis 0,5 / Rakra-Firnis "Extra" hell / Rakra-Spezial-Firnis "Extra" / F.A. Firnis.
[Bildquelle: Archiv Sudenburg-Chronik]
1942 Ausgabe zusätzlicher Aktien.
160 neue Aktien zu je 1.000 Reichsmark werden ausgegeben, mit einem Gesamtwert von 160.000 Reichsmark. [4]
1945 Firmengelände übersteht die Luftangriffe des 2. Weltkriegs ohne Schäden. Produktion kann fortgesetzt werden.
Enteignung? Umwandlung in SAG (Sowjetische Aktiengesellschaft)?
1949 Die inzwischen verstaatlichte Fabrik wird als "Werk 2" in den "VEB Vereinigte Magdeburger Lackfabriken" eingegliedert. [5]
1950 Einrichtung eines zentralen FuE-Labors der (inzwischen verstaatlichten) Magdeburger Lackfabriken.
(FuE = Forschung und Entwicklung) Dieses wurde in der Folgezeit zur zentralen Forschungs-, Entwicklungs- und Prüfstelle der Lack- und Lackrohstoffindustrie der früheren DDR ausgebaut. [2]

Im Magdeburger Adressbuch 1950/51 ist die Firma wie folgt eingetragen:
Lacke und Farben
Vereinigung Volkseigener Betriebe
Zentrallaboratorium Magdeburg
Forschungsleitung - Patentabteilung
Fichtestraße 29

Dora Elsholz, wahrscheinlich die Witwe von Paul Elsholz, ist gemeldet im Haus Richard-Wagner-Str. 3a (Altstadt), dessen Eigentümerin sie ist.

Fichtestraße 29:
1. Grundstück:
Eigentümer: KWU der Stadt Magdeburg
Wohnungsverwaltung
(KWU=Kommunales Wirtschaftsunternehmen, eine Wirtschaftsform in der Sowjetischen Besatzungszone)
Briese, P., Arbeiter
Kornfeld, W., Planleiter
Müller, H., techn. Leiter

2. Grundstück:
Eigentümer: Vereinigte Magdeburger Lackfabriken, Werk 2
Roth, F., Arbeiter
Schmidt, J., Zimm.-Pol.
1955 Fabrikantenwitwe Dora Elsholz verstirbt.
Dora Elsholz, geb. Raßbach (* 26.07.1890, † 12.04.1955) verstirbt im Alter von 64 Jahren und wird neben ihrem Gatten auf dem Alten Sudenburger Friedhof beigesetzt.
1959 Gründung einer Zentralen Forschungsstelle der verstaatlichten Magdeburger Lackfabriken, später "Institut für Lacke und Farben" [1]
1979 Eingliederung in den "VEB Forschung und Rationalisierung Lacke und Farben" und das "Kombinat Lacke und Farben" [1]
1990 Umfirmierung in "Magdeburger Lacke GmbH". [1]
Umwandlung durch die Treuhand zur Vermarktung (Privatisierung)?
1991 Ausgründung des "Institut für Lacke und Farben e.V." (ILF) [1]
auf dem ehemaligen Firmengelände.
1994 31.01.: Ausgründung der iLF Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft Lacke und Farben mbH [2]
Als Dienstleister für die Farbindustrie für Entwicklungs- und Prüfarbeiten.
2014 Ausgründung der "Institut für Lacke und Farben Magdeburg gGmbH" aus dem Trägerverein Institut für Lacke und Farben e.V.
Übernahme der Projekt- und Dienstleistungstätigkeiten. [1]
  "Das iLF betreibt industrienahe Forschung im vorwettbewerblichen Bereich auf dem Gebiet der Untergrundvorbehandlung, Lackrohstoffe, Beschichtungsstoffe und Beschichtungen sowohl im Rahmen von öffentlich geförderten Projekten mit industriellem Praxisbezug als auch von Industrieaufträgen. Aktuelle Schwerpunkte sind z.B.:

- Untersuchungen zur Korrosionsinhibierung von Stahl und Leichtmetallen einschl. Entwicklung von Prüfmethoden zur Bewertung chromfreier Vorbehandlungsschichten
- Entwicklung. Bewertung und Optimierung von (Funktions-) Lacken ("Smart Coatings") und umweltfreundlichen, innovativen Beschichtungsstoffen
- Erosionsuntersuchungen an Rotorblattbeschichtungen
- Analytische Untersuchungen zu Filmkonservierern u.a. Bioziden" [1], Stand 2016

Quellen:

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