Die Chronik von Sudenburg

929 - 1213

Bearbeitungsstand: 27.08.2015

Von der Entstehung im 10. Jahrhundert bis zur ersten Zerstörung.

 - 929 -   [nach oben]

Der Sohn Heinrichs des 1., Otto, der bereits als Thronfolger auserkoren war, heiratet Editha (Edgitha, Edgith) (*910; +946), die Tochter des angelsächsischen Königs Æthelstan. Nach der Heirat erhielt Editha Magdeburg als Morgengabe. Von der Königspfalz aus, elbseitig auf dem heutigen Domplatz gelegen, förderte das Paar gemeinsam den Auf- und Ausbau der Stadt, die als wichtiger Handelsplatz an der Ostgrenze des christlichen Raumes lag. 
Direkt südlich der Pfalzbefestigung bestand bereits eine frühe Siedlung, die vermutlich als Handelsplatz der Pfalz diente.
Nach Verlegung dieses Handelsplatzes, in den Bereich nördlich der Pfalz, ging diese erste Siedlung wahrscheinlich wieder ein. [...]

 - 936 -   [nach oben]

Otto I. (später Otto der Große) wird nach dem Tod seines Vaters zum König gekrönt. [...]

 - 937 -   [nach oben]

Zur Hebung der religiösen Bedeutung Magdeburgs gründete König Otto I im südöstlichen Bereich der Pfalzbefestigung das Benediktinerkloster St. Mauritius, auch Moritzkloster genannt. Auf dem Areal des Klosters steht heute der Magdeburger Dom.
Otto stattete das Kloster großzügig mit Schenkungen und Privilegien aus. Neben Magdeburg und dem direkten Umfeld gehörten auch viele Dörfer der Umgebung zu dieser Schenkung. Zu nennen sind hier u.a. Rottersdorf, Harsdorf, Ottersleben, Buckau, Fermersleben, Lemsdorf und Diesdorf. Zu dieser Schenkung gehörten ebenfalls 103 Familien von Hörigen, Ansiedlern und Leibeigenen samt deren Eigentum. [Hoff1, Seite 20], [Rath1, Seite 41]

 - 946 -   [nach oben]

Editha verstirbt jung (mit Mitte 30) und wird im Morizkloster beigesetzt.
In die kurze Magdeburger Zeit Edithas fällt der Baubeginn der ersten steinernen Magdeburger Stadtmauer, die aus Bruchsteinen errichtet wird. Bis zur ihrer Fertigstellung (1022) werden aber noch gut 80 Jahre vergehen. [...]

 

Die zunehmende Bedeutung Magdeburgs, als Handelsplatz und religiöses Zentrum, ließ die Bevölkerung stetig anwachsen. Nicht nur Magdeburg selbst, sondern auch das Umland profitierte von dieser Entwicklung.

Auch der Bereich südlich der Pfalzbefestigung wurde zunehmend besiedelt. Dieses als suburbium (lat. Vorstadt, Vorburg) bezeichnete Siedlungsgebiet und entspricht der heutigen südlichen Magdeburger Altstadt. Räumlich begrenzt war das suburbium östlich durch die Elbe, nördlich grenzte es direkt an die entstehende Stadtmauer an der heutigen Danzstraße, direkt südlich des Doms. Westliche Begrenzung war an der heutigen Otto-von-Guericke-Straße, die südliche Grenze lag südlich des heutigen Hasselbachplatzes, etwa auf Höhe der Bölschstraße.

Im nördlichen Teil des suburbiums bildete sich langsam eine erste ärmliche Siedlung, die wohl von Leibeigenen der Pfalz und des Klosters bewohnt war. Handwerker, Bedienstete und Ackerleute dürften die ersten Bewohner gewesen sein. Einen eigenständigen Namen besaß diese Siedlung noch nicht, sie kann aber als Keimzelle des späteren Sudenburg angesehen werden.

Die übrige Fläche des suburbiums war mit Gärten, Äckern und Wiesen bedeckt, verstreut dazwischen lagen bescheidene Höfe unfreier Bauernfamilien.

 - 955 -   [nach oben]

Otto I. lässt nördlich des Morizklosters eine große Kirche errichten, die der ersten Magdeburger Dom werden sollte. Er beabsichtigt bereits Magdeburg zum Hauptsitz eines Erzbistum zu erheben, um damit die Christianisierung des "heidnischen", von Slawen (Wenden) besiedelten, ostelbischen Raumes voranzubringen. [...]

Der Kirchenbau und der weitere Aufbau Magdeburgs beförderte zusätzlich das Bevölkerungswachstum. Weitere Arbeitskräfte, wie Handwerker, Künstler, Bedienstete und Ackerleute siedeln sich an.

Anm.: Die Lage "nördlich des Klosters" ist bis heute nicht bewiesen. Über die genaue Lage des ersten Doms streiten sich bis heute die Gelehrten. Neben dem heutigen Dom sind auf dem Domplatz zwei weitere große Bauten nachgewiesen, die wohl ebenfalls Kirchen waren. Um die Meinung, dass der nördliche Bau die Kaiserpfalz gewesen sein könnte ist es still geworden. Ich spekuliere mal: Unter dem heutigen Dom befinden sich die Reste der Kirche des Morizklosters, in dem auch Editha bestattet wurde. Nördlich davon entstand der erste Magdeburger Dom. Beide Kirchen existierten nebeneinander und wurden zusammen mit großen Teilen des Klosters Opfer des verheerenden Stadtbrandes von 1207.

 - 962 -   [nach oben]

Der inzwischen mit Adelheid von Burgund verheiratete Otto I. wird zum ersten römisch-deutschen Kaiser gekrönt.
Ein erster Versuch, Magdeburg zum Erzbistum zu erheben, scheitert am harten Widerstand einiger Bischöfe. [...]

Zu diesem Zeitpunkt könnte auch bereits das Kloster des Heiligen Johannes des Täufers errichtet gewesen sein, da es als Ausweichquartier für die Mönche des Moritzklosters geplant war, die mit der Umwandlung des Morizklosters in ein Erzstift, dieses hätten räumen müssen.

Lagebeschreibung:
Das Kloster wurde auf einer Geländeerhöhung angelegt, in Elbnähe, an der Straße nach Buckau / Schönebeck, nördlich der Klinke. Auf Grund seiner Lage "auf dem Berge" bürgerte sich schnell ein neuer Name ein: Kloster Berge. Das Klostergelände entspricht weitgehend dem heutigen Park Klosterbergegarten. Die Klosteranlage selbst lag im südlichen Teil des heutigen Parks, nahe dem Gesellschaftshaus.

Das Kloster Berge war der südöstliche Nachbar der sich entwickelnden Sudenburg und begrenzte durch seine Lage die vorhandene Siedlungsfläche. Urkundlich wurde es jedoch auch zum suburbium gezählt, es wurde "in suburbio" errichtet (Siehe 965 und 970).

Südwestlich des suburbiums lag das bereits 937 als Schenkung an das Moritzkloster erwähnte Dorf Rottersdorf, in dem Otto ein Hospital für bedürftige Pilger stiftete.
Das Dorf lag an der Klinke, etwa im Einmündungsbereich der heutigen Leipziger Straße in Halberstädter Straße.

 - 965 -   [nach oben]

12.04.: Das suburbium und das Kloster Berge werden erstmals urkundlich erwähnt.
Die Urkunde hat die angebliche Schenkung des Honig-10ten aus der (ostelbischen) slawischen Provinz Nizizi an das in der Vorstadt (in suburbio) "blühende Kloster" St. Johannes des Täufers (Kloster Berge) durch Kaiser Ottos I. zum Inhalt.
[Reg1, Nr. 170, S. 65]

Anm.: Bei dieser Urkunde handelt es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um eine Fälschung, möglicherweise aus dem 11. Jahrhundert.
Angeführt habe ich diese Urkunde hier nur, weil in zahlreichen Veröffentlichungen die Jahreszahl 965 als erste urkundliche Erwähnung Sudenburgs angegeben wird, was wohl in dieser Urkunde ihren Ursprung hat.
Selbst bei angenommener Echtheit würde hier nur die Existenz des suburbiums nachgewiesen, also des Siedlungsgebietes, jedoch enthält sie keinerlei Hinweise auf eine Siedlung darin.

09.07.: Otto I. verleiht dem Morizkloster den Königsbann in der Stadt Magdeburg, das Burgwerk der in der Umgegend ansässigen, die Gerichtsbarkeit über die dortigen Juden und andere Kaufleute und die Wahl des Vogtes. [Reg1, Nr. 178, S. 70f]
Anm.: Diese Urkunde zeigt, dass sich zu diesem Zeitpunkt schon eine große Zahl jüdische Händler dauerhaft in Magdeburg tätig waren. Die Nennung der Juden vor den sonstigen Händlern lässt auch den Schluss zu, das sie in dieser Zeit die stärkste Händlergruppe waren. Ob sich die Juden bereits fest niedergelassen hatten, verrät die Urkunde leider nicht.

 

Während sich die christlichen Händler in Magdeburg ansiedelten, gründeten die jüdische Händler und Kaufleute eine eigene Siedlung außerhalb Magdeburgs.

Ihnen wurde dafür eine Fläche im suburbium zur Verfügung gestellt.

Aus heutiger Sicht lag diese Siedlungsfläche etwa zwischen Elbe und Leibnizstraße, Einstein- und Haeckelstraße. Ein eigenständiger Name der Siedlung, möglicherweise hebräisch, ist nicht überliefert. Die offizielle Bezeichnung in Texten und Urkunden war immer das Judendorf. Das Gründungsjahr dieser Siedlung ist leider nicht überliefert, wahrscheinlich erfolgte die Gründung jedoch bereits im 10. Jahrhundert. [Spanier, S. 7]

Da den Juden viele Betätigungen und Berufe durch die Mächtigen der damaligen Zeit verboten waren, blieb ihnen nur wenige Möglichkeiten. Die Nische, die ihnen blieb, war der Kleinhandel. Der Großteil der Juden waren fahrende Händler, die von Handelsplatz zu Handelsplatz zogen. Den Sesshaften ermöglichte es nun auch Kredit- und Geldgeschäfte zu tätigen, die in der christlichen Gesellschaft verpönt waren. Durch die Betätigungsverbote wurden die Juden schon früh ausgegrenzt und eine Integration dadurch verhindert.

Die rege und erfolgreiche Tätigkeit der jüdischen Händler trugen einen wohl nicht geringen Anteil zum Aufstieg Magdeburgs bei. Ein ruhiges Leben, neben der christlichen Gesellschaft, wird ihnen aber nicht lange vergönnt sein. Zuerst geduldet, werden Vorurteile, Neid, Missgunst, Intoleranz, Schuldzuweisungen und Propaganda in Erpressungen, Vertreibungen und Pogrome gegen die Bewohner des Judendorfes gipfeln, bis diese 1493 ganz aus ihrer heimatlichen Siedlung und dem Erzbistum Magdeburg ausgewiesen werden.

 - 968 -   [nach oben]

Magdeburg wird Erzbistum
Im zweiten Anlauf, nachdem die Widerstand leistenden Bischöfe verstorben sind, kann Otto der Große sein Ziel endlich verwirklichen. Zum erster Erzbischof wird Adalbert (* um 910, † 20.6.981) ernannt, der später heilig gesprochen wird.
Das Moritzklosters wird nun Sitz des Erzstifts und übernimmt die Privilegien und Besitzungen, mit Land und Leuten, des Klosters.

09.08.: Abt und Mönche des Morizklosters mussten nun den neuen "Domherren" weichen und in das 1.100 Meter entfernte Kloster Berge umziehen. Zu seinem Unterhalt wurde das Kloster Berge, durch kaiserliche Schenkungen, reich mit Ländereien und Dörfern ausgestattet. [Reg1, Nr. 235, S. 100]
Anm.: Das Kloster Berge entwickelte sich später zu einem der wichtigsten und bedeutendsten Klöstern im deutschen Raum, was es sicher auch seiner sehr angesehenen Schule verdankte.

 - 970 -   [nach oben]

14.01.: Kaiser Otto I. gewährt dem Kloster Berge freie Abtwahl und befreit es von "allen weltlichen Dingen". [Reg1, Nr. 242, S. 104]

17.01.: Weitere Schenkungen zugunsten des Kloster Berge folgen, u.a. einige Dörfer mit allem Zubehör an Land, Leuten und Gebäuden. [Reg1, Nr. 243, S. 104]

25.01.: Eine weitere Urkunde Otto des Großen berichtet u.a. über seine Gründung des Kloster Berge im suburbium ("in suburbio"), leider ohne das Gründungsjahr zu nennen. [Reg1, Nr. 249, S. 107]

 - 973 -   [nach oben]

07.05.: Kaiser Otto I. (der Große) verstirbt in Memleben und wird im Magdeburger Dom neben seiner ersten Frau Egditha beigesetzt.
Die Nachfolge tritt sein Sohn an, als Otto der II. Dieser wurde schon vor dem Tod seines Vaters als König tituliert und als Nebenkaiser geführt. [Reg1, Nr. 270, S. 116]
Anm.: Die Aussage zur Beisetzung in Magdeburg stimmt nur "teilweise", denn in der damaligen Zeit war es bei hochrangigen Persönlichkeiten üblich, die Innereien der Leiche zu entnehmen und separat zu bestatten. In diesem Fall verblieben die Innereien Ottos in Memleben und nur seine äußere Hülle wurde in Magdeburg beigesetzt. Diese Praxis galt u.a. auch für die verstorbenen Magdeburger Erzbischöfe.

04.06.: Kaiser Otto II. bestätigt dem Erzstift urkundlich die Schenkungen seines Vaters und unterstellt "alle dort wohnenden Kaufleute oder Juden und alle dorthin gehörigen Leibeigenen, Colonisten, Knechte oder Wenden" der Gerichtsbarkeit des Erzbischöflichen Vogtes. [Reg1, Nr. 271, S. 116ff]
Anm.: Auch wenn diese Urkunde das Judendorf nicht speziell belegt, so ist sie doch ein starkes Indiz für bereits erfolgte Ansiedlungen jüdischer Kaufleute.

 

Die Gründung des Erzbistums forcierte nicht nur die Entwicklung Magdeburgs, auch das suburbium profitierte davon.
Auf dem direkt südlich des Doms, im suburbium, gelegenen Pralenberg entstand eine kirchliche Siedlung, die zur Domfreiheit gehörte. Dort errichteten Domherren ihre Kurien. Auch die Domdekanei (bis 1550) wurde dort errichtet. Angelehnt an die dort wohnenden hohen kirchlichen Würdenträger wurde der Pralenberg im Volksmund auch "Prälatenberg" genannt.

Eine weltliche Siedlung, bewohnt von leibeigenen Handwerkern, Künstlern, Dienst- und Ackerleuten, entwickelte westlich des Pralenberges, entlang dem heutigen Breiten Wege.
Dieser Siedlungskern, im nördlichen suburbium, kann als die Grundsiedlung des späteren Sudenburg betrachtet werden. Bis die Vorstadtsiedlung diesen Namen trägt werden aber noch gut 200 Jahre vergehen.

Über das restliche Siedlungsgebiet des suburbiums verteilt liegen Gärten, Felder und Wiesen. Verstreut dazwischen einfache Häuser von Bauernfamilien.
Feste, gemauerte Häuser waren für das einfache Volk dieser Zeit unerschwinglich. Nur der wohlhabende Adel und die Kirche waren in der Lage massive Häuser zu errichten.
Das einfache Volk lebte anfangs vielfach noch in so genannten Grubenhäusern. Diese kleinen, einfachen Häuser hatten nur einen Raum, der bis zu einen Meter in den Boden eingelassen war. Die Hauskonstruktion selber bestand aus einem einfachen, in den Boden eingelassenen, Holzständerwerk, das ein mit Stroh oder Schilf gedecktes Satteldach trug. Die Seitenwände bestanden aus Ast- oder Reisiggeflecht, das mit Lehm verschmiert wurde. Häufig wurden auch keine oberirdischen Seitenwände errichtet, sondern das Dach direkt bis auf den Boden geführt. Betreten wurden die Häuser an der Giebelseite, über eine außen liegende, in die Erde eingelassene Treppe. Der Fußboden bestand aus festgestampftem Lehm.
Der Bodenkontakt des Holzständerwerks bedingte dessen schnellen Verfall, was zu einer nur sehr kurzen Nutzungsdauer dieser Häuser von ca. 30 Jahren führte. Aufgrund der verwendeten Baumaterialien waren diese Häuser sehr brandgefährdet. Man kann sich vorstellen, was der Brand eines solchen Hauses für Auswirkungen hatte, auch auf zu nahe stehende Nachbarhäuser. Ganze Siedlungen waren bei einem ausbrechenden Brand gefährdet. [SPA96, S. 197ff]
Anm.: Mehrfach nachgewiesen wurden diese Grubenhäuser bei Ausgrabungen auf dem Domplatz und auch 1999 auf dem heutigen Friedensplatz, dessen Grund im 10. Jahrhundert wahrscheinlich etwas südlich der Siedlung lag. Eines der auf dem Friedensplatz ergrabenen Häuser wird als eine frühe Schmiede gedeutet. Wegen der von ihnen ausgehenden hohen Brandgefahr wurden die Schmieden in dieser Zeit häufig außerhalb der Siedlungen angelegt.

Grubenhaus Steinzeitdorf Randau
Rekonstruiertes Grubenhaus im "Steinzeitdorf Randau"
Aufgenommen im Juni 2014.

Für eine dichte Siedlung waren die kurzlebigen, kleinen Grubenhäuser kaum geeignet. Mit der Zeit entwickelten sich ein ebenerdig angelegter, komfortablerer Häusertyp, bei dem das Holzständerwerk in ebenerdig verlegte Holzbalken eingelassen war, die zum Teil auf Steinen gegründet waren. Die Seitenwände bestanden weiterhin aus mit Lehm verschmiertem geflochtenem Astwerk, das Dach war weiterhin mit Stroh oder Schilf gedeckt. Diese Bauweise erlaubte eine Nutzung der Häuser über mehrere Generationen. Hierdurch machte auch eine größere Grundfläche Sinn und der Einbau von Innenwände zur Abtrennung einzelner kleiner Kammern. Diese waren außen liegend, meist um einen größeren Innenraum angeordnet. Ebenfalls möglich wurde nun die Abtrennung eines kleinen Stallbereiches, für eine Kuh oder ein Pferd. Auch dieser Haustyp war extrem brandgefährdet, was einen ausreichenden Sicherheitsabstand zum Nachbarhaus zwingend erforderlich machte.
Das Grubenhaus hatte damit aber noch nicht ausgedient, sondern wurde bei Bedarf als Nebengebäude angelegt, als Werkstatt eines Handwerkers genutzt, oder als Lagerraum.
Anm.: Grubenhäuser konnten im Zuge von Ausgrabungen sowohl auf dem Domplatz, als auch auf dem heutigen Friedensplatz (im damaligen suburbium) archäologisch nachgewiesen werden. Die späteren ebenerdigen Häuser haben, aufgrund ihrer Bauart, leider keine nachweisbaren Spuren hinterlassen. Dies war erst bei späteren Häusern der Fall, in denen auch Keller angelegt wurden.

Der Handel fand in dieser Zeit ausschließlich in Magdeburg statt, was den Händlern und Kaufleuten der Stadt wachsenden Wohlstand und Einfluss einbrachte. Auch die Kaufleute und Händler des Judendorfes profitierten von diesem Handel.
Während viele der Händler und Kaufleute "Freie" waren, lebte die überwiegende Mehrheit unfrei, in Leibeigenschaft. Als "Freier" zahlte man zwar seine Abgaben an den Grundherren und unterstellte sich seiner Gerichtsbarkeit, konnte sich aber frei Bewegen. Nur "Freie" hatte die Möglichkeit Eigentum zu erwerben, wenn sie es sich leisten konnte und es überhaupt etwas zu erwerben gab. Zu den "freien" zählten neben den Händlern der Adel und der höhere Klerus. Auch die Juden, die eine Sondergruppe darstellten, sind zu den "Freien" zu zählen. Unbemittelte "Freie" gaben gelegentlich freiwillig ihren Status auf und begaben sich, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, in die Leibeigenschaft.
Leibeigenschaft war erblich, so dass geborene Kinder in den Besitz des Leibherren übergingen. Da die Leibeigenen an den ihnen zugewiesenen Ort gebunden waren und sich nur mit Erlaubnis ihres Leibherren verheiraten durften, hatte dieser die Lenkungsmöglichkeit, sie in seinem Besitz zu halten.
Auch Leibeigenen war es möglich, sich einen bescheidenen Wohlstand zu erarbeiten, wenn sie es schaffte, neben ihren zu leistenden Abgaben einen Überschuss zu erwirtschaften. Die meisten Familien kamen aber gerade so über die Runden. Die Kindersterblichkeit war sehr hoch und die Lebenserwartung dieser schwer arbeitenden Menschen nur gering. Bei den Abgaben dieser Zeit handelte es sich noch vorwiegend um Naturalien oder Arbeitskraft, da sich die Geldwirtschaft erst langsam entwickelte. Handwerker bekamen statt eines Lohns deshalb auch häufig ein Stück Land zugewiesen. Darauf legten sie Gärten an, um sich und ihre Familie zu ernähren. Auch Tauschgeschäfte dürften in der Klasse der Leibeigenen eine große Rolle gespielt haben.

Auch die Klasse der Leibeigenen war hierarchisch unterteilt, so dass ein Handwerker oder Landwirt auch ihm untergeordnete Knechte und Mägde beschäftigen konnte, die meist nur mit täglichen Mahlzeiten entlohnt wurden. Zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit hatten die Leibeigenen noch festgelegte Aufgaben für ihren Leibherren zu erledigen. Das ging von Botengängen, über Bau- und Erhaltungsarbeiten, Feld-, Garten- und Mäharbeiten, bis hin zu Heerleistungen. Hatte der Leibeigene einen Knecht, so konnte er auch diesen schicken, um die Arbeiten zu erledigen. Er war nicht verpflichtet, diese Arbeiten persönlich zu übernehmen.

Anm.: Dies soll nur einen groben Überblick über die damaligen Lebensverhältnisse der unteren Klasse widerspiegeln, der die ersten Sudenburger angehörten. Die Themen Lehn- und Besitzrecht, Treueid, Abhängigkeiten, Hierarchien, Rechte und Pflichten, füllen ganze Bücher und sind im Rahmen dieser Chronik nicht detailliert darstellbar.

 - 998 -   [nach oben]

Juli: In ganz Sachsen spürt man ein „heftiges Erdbeben“ und zwei „glühende Steine“ fielen vom Himmel. Einer in Magdeburg, einer jenseits der Elbe. Das Volk verstand dieses Naturereignis als göttlichen Zorn und Vorboten eines großen Unglücks. [Hoff1, S. 65]

 - 1012 -   [nach oben]

Grundsteinlegung für die große Klosterkirche "St. Johannis des Täufers" am Kloster Berge. [Reg1, Nr. 574, S. 242]

Bau der ersten Ambrosiuskirche?
In der kurzen Amtszeit des Erzbischofs Walthard (1012-1012), der nach nur dreimonatiger Amtszeit starb, soll die erste Ambrosiuskirche entstanden sein:

„Bei seinen Zeiten ward gebawet die Kirche zu S. Ambrosio dem heiligen Lerer“. [CDTCM, Seite 426 (IIv)]

Erzbischof Walthard war zwar nur sehr kurz im Amt, aber vor seiner Ernennung bereits als Kanoniker (981) und Dompropst (984) am Erzstift tätig, kannte also die Verhältnisse.
Wenn diese Aussage stimmt, dann muss die Bevölkerung der Sudenburger "Grundsiedlung" zu diesem Zeitpunkt bereits so stark angewachsen sein, dass sie eine eigene Kirche erhielt.
Die Kirche St. Ambrosius könnte auf gleichen Grund wie ihr Nachfolgebau erbaut gewesen sein: Nahe der Magdeburger Stadtmauer, zwischen der Domherrensiedlung "Pralenberg" und der weltlichen Siedlung, als etwas südlich der heutigen Danzstraße, zwischen Dom und "Breiter Weg".

Die Kirche dem heiligen Ambrosius von Mailand zu weihen dürfte auf italienische Einflüsse der Ottonen zurück gehen, da sie im Magdeburger Raum die einzige diesem Schutzheiligen geweihte Kirche ist. Gleiches gilt auch für die später entstehende Kirche St. Michaelis.

Es könnte sich bei der Meldung zum Bau von St. Ambrosii im Jahr 1012 durchaus auch um eine Verwechslung mit der Klosterkirche handeln, da ja beide Kirchen „in suburbio“ entstanden. Andererseits spricht die Zuordnung zum Erzbischof für dieses Jahr. Über die Art der Kirche gibt es keine Überlieferung. Spekuliert wird auch, das es sich nur um eine Kapelle gehandelt haben könnte. Weitere Hinweise geben 1024 als Jahr der Kirchengründung an (siehe dort).

 - 1016 -   [nach oben]

Kriegersche Handlungen reichen bis an das suburbium heran.
Zwischen dem neuen Markgrafen Bernhard von Nordsachsen (oder Brandenburg) und dem Erzbischof Gero kommt es zu einer offenen Fehde. Es kam sogar zu einem Angriff des Markgrafen auf Magdeburg und zu Plünderungen und Brandschatzungen im Gebiet des Erzstifts. Überliefert ist u.a. die Zerstörung des von Kaiser Otto I. in Rottersdorf gestifteten Hospitals für bedürftige Pilger. 1017 konnte diese Fehde beigelegt werden. [Rath1, Seite 142f]

 - 1017 -   [nach oben]

21.07.: Ein Brand zerstört große Teile des Klosters Berge.
Betroffen ist auch die neue Klosterkirche "St. Johannis des Täufers". Das Feuer war durch eine brennende Kerze im Schlafsaal der Mönche ausgebrochen und griff schnell um sich. Ein Mönch kam beim Versuch seine Kleider zu retten im Feuer ums Leben. Zu Hilfe eilenden Einwohnern aus Magdeburg und Vorstadt gelang es noch die Reliquien und große Teile des Kirchengerätes und den Klosterschatz und  in Sicherheit zu bringen. Als der sich auswärts aufhaltende Abt Siegfried von dem Unglück unterrichtet wurde, kehrte er sofort zurück und soll bei bei Betrachtung seines in Asche liegenden Klosters den Satz gesagt haben: "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen".
Er begann sogleich mit dem Wiederaufbau, wofür er viel Unterstützung und viele Spenden erhielt. [Reg1, Nr. 607ff, S. 255ff], [Rath1, S. 145f]

 - 1022 -   [nach oben]

Fertigstellung der ersten Magdeburger Stadtmauer.
Die in der Zeit Königin Edithas begonnene Befestigung wird heute als "Ottonische Mauer" oder nach dem damals herrschenden Erzbischof auch "Gero'sche Mauer" bezeichnet. [Rath1, S. 148f]
Für diese Chronik von Interesse ist nur der südliche, direkt an das suburbium grenzende Teil dieser ersten Magdeburger Stadtbefestigung. Sie verlief direkt südlich des heutigen Doms: Östlich nahe der Elbe beginnend, etwa dem Verlauf der Nordseite der heutigen Danzstraße folgend, bis zu ihrem westlichen Eckpunkt, etwa an der Otto-von-Guericke-Straße, von wo sie in nördliche Richtung weiter verlief.
Ins suburbium führten zwei Tore. Das eine, das spätere "Sudenburger Tor" lag nordwestlich der heutigen Kreuzung Breiter Weg / Danzstraße. Das zweite war die östlicher, im Bereich des Doms gelegene "Herrenpforte". Den Domherren diente diese Pforte, um vom Dombezirk direkt zu den Kurien auf dem Pralenberg zu gelangen. Zwischen dem Magdeburger Rat und dem Erzstift wird es, wegen der Hoheit über diese Pforte, immer wieder zu Streitigkeiten und Machtproben kommen.

B_1213/SudenburgerTor_w2.jpg
Die Reste des (alten) Sudenburger Tores, direkt nordwestlich
an der Kreuzung Danzstraße / Breiter Weg gelegen.

Bei Straßenbauarbeiten wurden die Mauerreste des Stadttores zufällig entdeckt, danach freigelegt, aufgearbeitet und mit Schautafeln versehen der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Leider wird im Text der Schautafel nicht erwähnt, dass dieses mehrfach um- und ausgebaute Magdeburger Stadttor (bis 1631) in das direkt angrenzende mittelalterliche Sudenburg führte.

 - 1024 -   [nach oben]

Erwähnungen der Kirche St. Ambrosius und 2. mögliches Gründungsjahr:

In seinem Artikel "Die Ambrosiikirche in Sudenburg" (von 1924) nennt der Sudenburger Pastor Theodor Rauch 1024 als Gründungsjahr der Kirche. Er bezieht sich auf eine Erwähnung in einer "informatio summaria facti et iuris" des Primat- und Erzstifts Magdeburg. [Danneil, S. 44]

Eine andere Quelle (Friedrich Wiggert, "Über Martin Luthers Schülerleben in Magdeburg...", 1850, Anm. S.9)  nennt 1024 als Jahr der Kirchengründung.
Diese Quelle konnte ich bisher leider noch nicht sichten, sie könnte sich aber ebenfalls auf die o.g. Schrift "informatio summaria facti et iuris" beziehen.

 - 11./12. Jahrhundert -   [nach oben]

Über diesen Zeitraum sind bezüglich der weiteren Entwicklung des suburbiums kaum Aufzeichnungen und keinerlei Urkunden vorhanden, bzw. erhalten. Es war eine sehr unruhige Zeit. Besonders das 11. Jahrhundert war geprägt von vielen Machtstreitigkeiten innerhalb des deutschen Raumes, die immer wieder zu Kriegszügen zwischen den konkurrierenden Parteien führten. Zerstörungen, Leid und Tod, infolge dieser Konflikte, waren ständiger Begleiter dieses Zeitraumes.
Kriegerische Auseinandersetzungen für den Magdeburger Bereich sind für diese Zeit nicht überliefert, so das sich Magdeburg und das suburbium im Schatten dieser Konflikte weiterentwickeln konnten. Rückschläge durch Missernten, Brände, Seuchen und Unwetter dürfte es jedoch auch in diesem Zeitabschnitt mit hoher Wahrscheinlichkeit gegeben haben.

Die südliche Siedlung "suidersdorp", das spätere St. Michael entsteht.
In diesem Zeitabschnitt  bildete sich ,im südöstlichen Teil des suburbiums, ein weiterer Siedlungskern. Im Zentrum dieser Siedlung lag die Kirche St. Michaelis.
Die Siedlung entstand in Elbnähe, südlich des Judendorfes. Aus heutiger Sicht etwa der Bereich zwischen der Kepler- und Liebigstraße.
Diese südliche Siedlung, noch räumlich von der nördliche Siedlung getrennt, wurde als Suidersdorp bezeichnet, das „Dorf im Süden“ oder „Süden-/Süddorf“.
Anm.: Sowohl die Gründungszeit, als auch die Bezeichnung der Siedlung als "Suidersdorp" sind nicht belegt. Auch der Stifter der Kirche und ihr Gründungsjahr sind nicht überliefert. Der einzige bekannte Nachweis des Namens Suidersdorp stammt aus einer Urkunde des Jahres 1369, bezieht sich jedoch speziell auf diese Siedlung.

Die gängige Literatur basiert auf einer Topografie, die von einer Lage der Siedlung im nordwestlichen suburbium ausgeht. Dadurch wird auf eine Gründung im  10. Jahrhundert geschlossen und die Bezeichnung "Suidersdorp" dem gesamten suburbium zugeschrieben. Auch das Judendorf wird dort als südwestlich liegend angegeben.
Eine belastbare Topografie Sudenburgs liefert der Möllenvogt Barthold Struve, der im Jahr 1642 eine Liste aller Hausbesitzer Sudenburgs vor der Zerstörung 1625 - 1631 (incl. Straßennamen und der Lage der Häuser) angefertigt hat. Diese Liste fand jedoch in den gängigen Magdeburger Chroniken und Veröffentlichungen, bis hinein in die heutige Zeit, keine Berücksichtigung. Nur Tilger und Priegnitz bezogen sich darauf, fanden aber scheinbar kein Gehör. Erst wieder die Arbeit "Topografie Sudenburgs" von Helmut Menzel (2005) zeigt ein annähernd realistisches Bild.
Aufgrund dieser Erkenntnisse vertrete ich die These, dass die Bezeichnung "Suidersdorp" ausschließlich auf die südliche Siedlung anzuwenden ist und diese erst später, im 11. oder 12. Jahrhundert (eher 12.) entstand. Der älteste Hinweis auf die Kirche St. Michaelis (und somit die Siedlung) datiert auf 1197. Eine Urkunde von 1369 belegt die Umbenennung der Siedlung von Suidersdorp in St. Michael, also zu einer Zeit, in der sich der Name Sudenburg für die nördlich angrenzenden Siedlung längst etabliert hatte.

 - 1095/96 -   [nach oben]

Beginn des ersten Kreuzzuges.
Ganz Europa wird vom Papst zur Befreiung der Heiligen Landes aufgefordert. Die Propaganda war aus Machtinteressen auf Unwahrheiten aufgebaut, die den Hass auf die Muslime und Nichtchristen schürten. Dass Juden, Christen und Araber im Heiligen Land bis zu dieser Zeit friedlich miteinander lebten, wurde verschwiegen. Die Auswirkungen der Kreuzzüge auf die Weltpolitik sind bis heute spürbar.
Überall im deutschen Raum sammelten sich die willigen Kreuzfahrer. Ausgelöst durch die Propaganda kam es zu einer starken Judenverfolgung. Die Juden wurden günstigstenfalls nur Ausgeplündert, bei Weigerung sich taufen zu lassen häufig auch ermordet. 1099 erobern die Kreuzfahrer Jerusalem und gründen dort ein christliches Reich, das aber keine 100 Jahre Bestand haben sollte.
Anm.: Es ist zu befürchten, dass auch die Bewohner unseres Judendorfes von diesen Pogromen und Übergriffen betroffen waren. Aufzeichnungen und Hinweise, mit Bezug auf Magdeburg, sind leider nicht (?) zu finden.

 - 1151 -   [nach oben]

„Von Johannis an wütheten schreckliche Gewitter, Stürme, Platzregen, große Ueberschwemmungen und dicke stinkende Nebel. Hierdurch entstand die Pest unter den Menschen und zugleich große Viehseuche. Eine schlechte Erndte kam dazu und darauf ein strenger, kalter und harter Winter. Hierdurch entstand eine schreckliche Hungersnoth, so dass Niemand derzeit sich erinnern konnte, dergleichen gesehen oder nur gehört zu haben.“ [Gruhl1, S. 177]

 - 1188 -   [nach oben]

Erzbischof Wichmann von Seeburg (1152-1192) verleiht der Altstadt Stadt- und Bürgerrechte. Daraus entwickelt sich das Magdeburger Stadtrecht, das als die wichtigste mittelalterliche kommunale Rechtsform bezeichnet und vielen Städten übernommen wird. Mit diesem Stadtrecht stehen der Altstadt nun gewählte Bürgermeister und ein Bürgerrat vor, die für die Gesetzgebung und Verwaltung zuständig sind, Schöffen übernehmen die Gerichtsbarkeit und Rechtsprechung im Magdeburger "Weichbild". Die oberste Gerichtsbarkeit verbleibt formal weiter beim Erzbischof und seinem Möllenvoigt. Das Stadtrecht galt nur für den Bereich der Altstadt, der südliche Dombezirk blieb weiterhin dem Erzstift unterstellt. [UBM1, Nr. 59, S. 30f]

Anm.: "Weich" leitet sich ab von (Altsächs.) wik oder (lat.) vikus und bedeutet "Siedlung/Dorf", "bild" ist wortverwandt mit dem engl. bill und bedeutet "Recht". Das Weichbild beschrieb auch den rechtlichen Zuständigkeitsbereich. Neben der Altstadt selbst unterlagen auch ihre außerhalb liegende Besitzungen und Einrichtungen dem Altstädter Weichbild, also ihrer Gerichtsbarkeit. So gehörte später z.B. der Bereich des heutigen Fürstenwalls zum Weichbild der Sudenburg, da er zum Pfarrbezirk der St. Ambrosiuskirche gehörte. [Quelle: wikipedia]

 - 1197 -   [nach oben]

Erste urkundliche Erwähnung der Kirche St. Michaelis und ihres Canonicus Magister Bernhard. [GBl 2, S. 364]

 - um 1200 -   [nach oben]

Um das Jahr 1200 stiftet Erzbischof Ludolph von Kroppenstedt (1192 - 1205), zur Vermehrung des geistigen Lebens in Magdeburg, das Stift St. Peter und Paul.
Anlegen lässt er das Stift in der südlichen Siedlung des suburbiums (Suidersdorp) und stattet es mit mehreren Gütern aus. [UBM1, Nr.66, S. 33]

 - 1202 -   [nach oben]

22.12.: Erzbischof Ludolf erteilt auf Bitten des Domdechanten Heinrich dem Kloster Gottesgnaden die Anwartschaft auf 3 Hufen für 5 Mark, welche er zur Vollendung der neuen "Pflanzstätte" (gemeint ist das Kollegiatstift St. Peter und Paul) bei der Kirche St. Michaelis zu Magdeburg verwenden wollte. [UBM1, Nr.66, S. 33], [Wüst, S. 259]

 - 1203 -   [nach oben]

Eine eigene Kirche für das Stift wird nicht errichtet. Mit der Fertigstellung des Kollegiatstifts St. Peter und Paul überweist Erzbischof Ludolf den Stiftsherren für ihren Gottesdienst die nahe gelegene Kirche St. Michaelis. [UBM1, Nr.67, S. 34], [Wüst, S. 259]

 - 1207 -   [nach oben]

16.02.: Papst Innocenz III. bestätigt das Peter-Pauls-Stift in Magdeburg und seine Besitzungen, darunter die Stiftskirche St. Michaelis. [Wüst, S. 252]

20.04.: Der große Magdeburger Stadtbrand.
Am Karfreitag zerstört ein verheerender Brand große Teile Magdeburgs. Betroffen sind u.a. auch der Ottonische Dom, das Morizkloster und die Kaiserpfalz. [Rath2, S. 10f]

Aufgrund der damaligen Bauweise ist davon auszugehen, dass dieser Brand auch auf das nördliche Suburbium übergriff und dieses zerstörte.
Anm.: Überlieferungen eines Übergreifens des Brandes und das Ausmaß von Zerstörungen im nördlichen suburbium gibt es leider nicht. Wahrscheinlich waren aufgrund der Nähe zur Altstadt neben vielen Häusern auch die Kirche St. Ambrosius und die Kurien auf dem Pralenberg betroffen.

 - 1209 -   [nach oben]

Der neue Erzbischof Albrecht I von Käfernburg lässt 1209 die Ruinen der ausgebrannten Kathedrale abreißen und einen neuen (den heutigen) Dom errichten. Zur Schaffung der Baufreiheit werden auch die verbliebenen Reste des Morizklosters abgerissen. Albrecht nutzt den Brand ebenfalls zu einer Norderweiterung Magdeburgs, indem er die Stadtmauer in diese Richtung erweitern lässt. Außerhalb fördert er stark den Aufbau der nördlichen Vorstadt Neustadt, die als "noca civitas" (neue Stadt) erstmals urkundlich erwähnt wird.
Anm: Nach Rathmann erfolgte der Abriss der Domruine bereits im Sommer 1207, also schon kurz nach dem Brand und die Grundsteinlegung des heutigen Doms im Jahr 1208. [Rath2, S. 12, 14]

Der Kaiser Otto IV. zieht sich den Bann des Papstes zu, der mit den meisten Fürsten den Gegenkaiser Friedrich unterstützte. Der Magdeburger Erzbischof Albrecht I wirde mehrfach angehalten gegen Otto vorzugehen.
Im Laufe dieses Konfliktes zogen beide Kriegsparteien mit ihren Heerscharen über das Land und zerstörten Siedlungen und Dörfer im jeweils gegnerischen Einflussgebiet, auch östlich der Elbe und westlich bis Braunschweig hin.

 - 1213 -   [nach oben]

Das Heer Otto des IV. rückt auf Magdeburg vor. Für eine Belagerung hatte der Kaiser jedoch zu wenig Truppen. Dafür brandschatzten seine Truppen rund um die Magdeburger Altstadt. Die Siedlungen im Magdeburger Umfeld wurden geplündert und niedergebrannt. Im Norden betraf dies auch die gerade entstehende Neustadt und das Dorf Frose, unmittelbar nördlich der Neustadt an der Elbe gelegen. Die Mühlen des Erzbischofs vor der Stadt und im Süden der Altstadt das gesamte Suburbium incl. dem Judendorf. Alles was außerhalb der Magdeburger Mauern lag. Das Kloster Berge, das kurz zuvor mit Mauern, Graben und Türmen befestigt worden war, entging dadurch der Zerstörung.
Das gesamte suburbium, die spätere Sudenburg, wird zerstört. [Rath2, S. 31f]
Ob die Bewohner zu Schaden kamen, oder sich vor dem Angriff in das befestigte Magdeburg retten konnten, ist leider nicht überliefert.

weiter mit 1213 - 1550

Quellen:

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