Die Industriegeschichte Sudenburgs

Der Maschinenbau und die weitere Entwicklung

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Sudenburg der Maschinenbau. Wurden anfangs noch die Zichoriendarren und Zuckerfabriken mit Dampfmaschinen und Dampfkesseln versorgt, wurden später auch ganze Fabrikationsanlagen produziert und geliefert. Pioniere waren hier 1846 Schöttler & Co (1856 verkauft an Röhrig & König) und 1849 Klusemann & Woltersdorf (später als Sudenburger Maschinenfabrik und Eisengiesserei AG). Auch erste Zulieferbetriebe entstanden. Beispielhaft die Fa. Pescheck, die Wagen baute und Fahrgestelle für Lokomobilen.
Nach dem Verkauf seiner Machinenfabrik gründete Schöttler 1857 mit seinem Prokuristen Drenckmann eine Dampfmahlmühle, die nach dem Ausscheiden Schöttlers von der Familie Drenckmann über mehrere Generationen weiterführt wurde. Die Einführung der Dampfmaschine in die Mühlenbetriebe läutete das Ende der klassischen Blockwindmühlen ein, von denen Anfang des 19. Jahrhunderts noch 10 Stück in der Sudenburger Feldmark arbeiteten.
Hermann Liebau, der 1860 mit dem Bau von Gasanstalten zur Beleuchtung von Straßen und Fabriken seine Selbstständigkeit begann, gründete 1867 eine Fabrik für Koch- und Heizapparate. Der Bau von Gasanstalten wurde fortgesetzt, bis dieser Geschäftszweig im Zuge der Elektrifizierung wegbrach. Später konzentrierte sich Liebau auf den Heizungsbau.

Die wirtschaftliche Entwicklung weckte in der Altstadt Magdeburg Begehrlichkeiten, da die drei Vorstädte Sudenburg, Neustadt und Buckau den Magdeburgern wirtschaftlich den Rang abzulaufen drohten. Magdeburg, durch das Festungsrecht nicht in der Lage weitere Flächen für Industrieansiedlungen zur Verfügung zu stellen, drängte nun auf die Vereinigung mit den Vorstädten. 1867 gelang der Vereinigungsvertrag mit der Stadt Sudenburg, 1886 folgte die Neustadt und 1887 das inzwischen ebenfalls mit eigenem Stadtrecht versehene Buckau.

Nach der Vereinigung mit Magdeburg 1867 änderte sich das Stadtbild in Sudenburg. Die einfachen, eingeschossigen Landhäuser der Gründungszeit wichen wegen der stark anwachsenden Bevölkerung immer mehr einer mehrgeschossigen gründerzeitlichen Bebauung, die noch heute das Bild Sudenburgs prägt. Nur wenige der ursprünglichen, einfachen Landhäuser sind heute noch erhalten.

Die 1872 eröffnete Eisenbahnstrecke nach Braunschweig führte zu einem neuen Entwicklungsschub in Sudenburg. Rund um den Sudenburger Bahnhof entwickelte sich ein neues Industriegebiet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Industrieansiedlungen hauptsächlich an der heutigen Halberstädter Straße, zwischen dem Sudenburger Siedlungskern und der Altstadt stattgefunden.
Für Sudenburg bedeuteten die neuen Fabrikgründungen einen weiterhin starken Bevölkerungszuwachs. Auch für diese zugewanderten Fabrikarbeiter und ihre Familien musste dringend neuer Wohnraum geschaffen werden, was zur Anlage neuer Straßenzüge mit mehrgeschossiger Wohnbebauung führte.

In Sudenburg wurde die Abwanderung der Zuckerindustrie und die Aufgabe der Zichoriendarren durch die vielen Neugründungen mehr als aufgefangen. Die Industrielandschaft wurde vielfältiger. Es entstanden u.a.:
- die Chemische Fabrik von Max Dürre,
- das Sudenburger Brauhaus,
- die Panther Fahrradwerke,
- die Konservenfabrik Albert Drevenstedt & Co.,
- die Ölmühle der Gebr. Fahrenholtz,
- die Lackfabrik Rassbach & Kralle,
- der Automobilzulieferer O.K. Bley,
- die Futtermittelfabrik der Gebr. Herbst,
- die Mostrich- und Essigfabrik Voigt & Co.
und viele viele mehr.

Hervorzuheben sind hier die Fabriken von Georg Becker (Transportanlagen, Vorläufer der heutigen Firma FAM) und die Firma Polte, die sich zu einem der größten Munitionshersteller Europas entwickeln sollte.


nach oben weiter mit "Die Weltkriegszeiten"

aktualisiert: 11.12.2014