Die Industriegeschichte Sudenburgs

Firmenblatt: Bearbeitungsstand: 04.08.2014

Polte-Werke

Metallgiesserei und Armaturenfabrik

(Vormals: Jürgens & Co.)

Hinweis: Die Betrachtung der Firma Polte liegt hier schwerpunktmäßig auf dem Sudenburger Stammbetriebsteil, da die weiteren Gründungen und Zukäufe nicht in Sudenburg lagen und damit für die Sudenburg-Chronik nicht so interessant sind.

Firmendaten:

Gründung - Ende: 1885 - 1945 (Betriebsteil "Altes Werk" Sudenburg)
Gründer: Eugen Polte (* ????, † 1911)
Standort(e): Halberstädter Straße 83
Produkt(e): ?
Bemerkungen: Die Firma blieb von 1885 bis 1945 ein eigentümergeführtes Familienunternehmen. 

Firmenchronik:

Jahr: Ereignis:
1873 Gründung der Metallgiesserei und Armaturenfabrik Jürgens & Co. auf dem heutigen Grundstück Halberstädter Straße 83.
1885 Eugen Polte übernimmt die Firma "Jürgens & Co.".
1887 wird sie als Armaturenfabrik Polte ins Handelsregister eingetragen. Bei Übernahme beschäftigte das Unternehmen 23 Personen. Das Werksgelände an der Halberstädter Straße umfasst 1.278 Quadratmeter (davon 640 Quadratmeter bebaut)
1887 Die Beschäftigtenzahl steigt auf 70 Personen.
1889 Firma Polte erhält einen ersten Rüstungsgroßauftrag über 40.000 Patronenhülsen.
1890 Die Beschäftigtenzahl steigt innerhalb von 3 Jahren auf etwa 700.
1910 Durch Zukäufe kann das Werksgelände auf 23.539 Quadratmeter (davon 8.043 bebaut) erweitert werden.
1911 Eugen Polte stirbt. Seine Witwe Luise Polte übernimmt die Geschäftsführung. Allerdings nicht aktiv, die eigentliche Werksführung überlässt sie den angestellten Direktoren.
1913 Polte expandiert. Die C. Louis Strube AG wird mehrheitlich übernommen und als Maschinen- und Armaturenfabrik Magdeburg-Buckau AG in die Produktion der Polte-Werke integriert.
1914 Die Zahl der Beschäftigten der Polte-Werke steigt auf 4000 und Firma gehört bereits zu den größten Munitionsproduzenten Europas. Neue Gebäude waren neben den ursprünglichen entstanden und durch die Einführung neuer Maschinen und Techniken konnte viel schneller und präziser produziert werden.
Da der Beginn des Ersten Weltkrieges (1914-1918) eine erhebliche Ausweitung der Rüstungsproduktion erforderte, wurden Flächen an der heutigen Liebknechtstraße (Stadtfeld-West) hinzugekauft, auf denen das Werk II erbaut wurde. Mit der Fertigstellung der Gebäude zog die Geschäftsleitung in das neue Werk um.
1916 Das Gesamtfirmengelände betrug 113.811 m², die Belegschaft war auf etwa 12.000 Beschäftigte gestiegen.
1917 Änderung der Rechtform in eine OHG, weil Luise Polte ihre Firmenanteile zu gleichen Teilen an ihre Töchter, Margarete Nathusius und Katharina Freifrau von Gillern, übertrug.
1918 Arnulf Freiherr von Gillern und der Tabakfabrikant Gottlob Moritz Nathusius treten in die Geschäftsleitung ein.

Das Ende des 1. Weltkriegs trifft die Polte Werke hart, denn gemäß Versailler Vertrag musste fast die gesamte deutsche Munitions- und Rüstungsproduktion eingestellt werden.
Da die Werke fast völlig auf die Rüstungsproduktion umgestellt waren, mussten von den 12.000 Beschäftigten 11.750 entlassen werden.
1919 Das Sudenburger Stammwerk muss stillgelegt werden.
Mit den wenigen verbliebenen 250 Mitarbeitern wird in Werk II wieder eine zivile Produktion aufgebaut, mit Armaturen- und Maschinenbau. Federführend war hierbei Gottlob Nathusius.
1927 Das Stammwerk in der Sudenburg kann teilweise wieder in Betrieb genommen werden.
1945 Völlige Zerstörung des Sudenburger Stammbetriebsteils im April durch Bomben- und Granatenbeschuss während der 7-tägigen Belagerung Magdeburgs durch amerikanische Truppen. Das "Alte Werk" beinhaltete vor der Zerstörung Maschinenbau, Lehrwerkstatt und Hydrantenbau.

Am 19.04. wird das Werk in der heutigen Liebknechtstraße durch amerikanische Truppen besetzt, dann von brittische Einheiten übernommen und im Juli 1945 an die sowjetische Militärbehörden übergeben. Maschinen und Einrichtungen werden demontiert und in die damalige UDSSR abtransportiert.

Quellen:

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