Die Chronik von Sudenburg

Das heutige Sudenburg:

1814 - 1867: Aufbau, beginnende Industrialisierung bis zur Vereinigung mit Magdeburg.

Chronik:

 - 1814 -   [nach oben]

24.05.: Ende der französischen Besatzung.
Einen Tag nach dem Abzug der letzten Franzosen ziehen die Preußisch-Russischen Truppen unter den Generälen Graf von Tauentzien und Ilowoiskij von der Bevölkerung begeistert empfangen in Magdeburg ein.

Auch die Sudenburger ließen sich etwas zur Begrüßung einfallen, worüber die "Magdeburgische Zeitung" am 28. Mai 1814 berichtet.
Da die Generäle nicht über Sudenburg nach Magdeburg einzogen, beschloss man, stellvertretend die ersten vaterländischen Soldaten zu Ehren, die Sudenburg passieren würden. Als ein Bataillon Preußischer Reiterei sich morgens um 5:30 Uhr näherte, stellten sich die Bürger an der Stadtgrenze beidseitig der "Halberstädter Chaussee" auf. Die jungen Bürgerinnen, weiß gekleidet und mit Rosen und Myhrtenkränzen geschmückt, standen zwischen den Reihen. Vor ihnen standen drei weitere junge Frauen, als Amazoninnen gekleidet, mit einem "schönen Piken mit der Nationalflagge und dem vaterländischen Adler" in der einen Hand und einer langen Blumengirlande in der anderen. Als die Reiter nahe genug waren, traten die drei vor und hielten die Soldaten mit den Worten "Halt wer da?" und "Halt, Preußische Brüder!" an. Eine Vierte trat hervor und hielt an den Anführer des Bataillons gewandt eine Rede. Abschließend wurde diesem ein Lorbeerkranz überreicht. Das Bataillon wurde nun unter Gesang bis zur Stadtgrenze begleitet, wobei die Sudenburger voraus gingen und die Mädchen Blumen streuten.

Mit Ende der französischen Besatzung wird der verhasste Name "Katharinenstadt" sofort zugunsten des traditionellen Namens Sudenburg abgelegt.

Am 19. Juni 1814 bedankt sich König Friedrich Wilhelm III. von Preußen in einem Brief bei den Bürgern Magdeburgs, der Neustadt und Sudenburgs, für den euphorischen Empfang der Preußischen Truppen, bei deren Einzug in Magdeburg. [Ambro, S. 14]

Direkt nach der Übernahme Magdeburgs wird mit der Einrichtung der preußischen Stadtverfassung und Verwaltung begonnen.
Am 06. Juli bestätigt der königlich Preußische Zivilgouverneur von Klewitz provisorisch den von den Franzosen eingesetzten Bürgermeister Popitz und den Sudenburger Magistrat.
Im September werden die Sudenburger, die ihre Häuser neu aufbauen wollen, in einer Bekanntmachung aufgefordert, dies beim Ingenieur-Major von Kleist anzufragen und dessen Zustimmung einzuholen. Die Bauwilligen kommen dem gerne nach. Sudenburg kommt endlich zur Ruhe und der Neuaufbau kann ohne weitere Rückschläge beginnen. [Ambro, S. 14]

 - 1815 -   [nach oben]

Drei Jahre nach dem Abriss sind in Sudenburg bereits 87 Wohnhäuser neu erbaut. Die Einwohnerzahl beträgt 634 Personen.
Der Magistrat besteht aus: Bürgermeister Johann Heinrich Popitz, Rathmann Carl Lömpke, Stadtsekretär Christian Lömpke, Bau-Inspektor Johann Curts, Prediger Wilhelm Mevius, Kantor und Lehrer Matthias Homann, den Fabrikbesitzern August und Carl Helle, sowie dem Zichorienfabrikanten Peter Zincke. [Ambro, S. 15]

 - 1816 -   [nach oben]

01.07.: Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat.
Die Stadt Sudenburg wird dem Regierungsbezirk Magdeburg in der Provinz Sachsen zugeordnet, die benachbarten Dörfer Groß- und Klein-Ottersleben, Lemsdorf, Benneckenbeck und Diesdorf dem Kreis Wanzleben.

Die Stadt-/Flurgrenzen der neuen Sudenburg wurden wie folgt festgelegt:

(Skizze!!!!!)

Die südlichste Spitze des zum neuen Sudenburg gehörenden Gebietes liegt etwa an der Leipziger Straße, Höhe Quittenweg, Die östliche Grenze zu Buckau verläuft entlang der heutige Bernh.-Kellermann-Straße, Dodendorfer Straße und entlang der Magdeburger Befestigungsanlagen bis zur nördlichen Grenze, die der Verlauf des heutigen Straßenzuges Liebknechtstraße / Hohendodeleber Straße markiert. Im Nordwesten verläuft die Grenze zu Klein-Ottersleben, etwa entlang dem Diesdorfer Graseweg und südlich der Einmündung der Braunschweiger Straße über den "Kroatenberg" zur Einmündung des Kroatenweges in die Halberstädter Straße. Der weitere Grenzverlauf zu Ottersleben und Lemsdorf verläuft über die Flucht der Straße Walmbergsweg bis zur Klinke, verspringt entlang der Klinke bis zur heutigen Brenneckestraße und von dort zurück zum Ausgangspunkt Quittenweg / Leipziger Straße.
Das Sudenburger Gebiet außerhalb des Neuanlagegebietes um den den heutigen Ambrosiusplatz war nahezu unbebaute Feldmark. Nur entlang der Halberstädter Straße und im Einmündungsbereich der Leipziger Straße bestand bereits eine lose Bebauung.

Der jüdische Friedhof wird in der Sudenburger Feldmark angelegt und eingeweiht.
Anm.: Heute liegt er umbaut am „Fermersleber Weg“ und gehört zum Stadtteil "Leipziger Straße".

 - 1817 -   [nach oben]

Die erste Volkszählung des neu konstituierten preußischen Staates ermittelt für die neue Sudenburg:
- 105 Wohnhäuser und 764 Einwohner.
- ein Betsaal (unter königlichem Patronat, für die noch nicht wieder erbaute Kirche).
- 2 Gasthöfe
- 5 Tabagien
- 10 Bockwindmühlen
- 1 Kalkbrennerei
- 2390 Morgen an Wiesen
Die Haupterwerbszweige der Bewohner sind Cichorienfabrikation und Feldbau.
[Hübner, S. 431, "Der Regierungs-Bezirk Magdeburg. Geographischer, statistisches und topographisches Handbuch, 1820"]

 - 1818 -   [nach oben]

Mit Wunsch nach einer eigenen Kirche setzt ein regen Briefwechsel zwischen dem Sudenburger Magistrat und der königlichen Regierung in Magdeburg ein, die den Bau befürwortet. König Friedrich Wilhelm III genehmigt schließlich den Bau. Er übernimmt die Finanzierung der Kirche und spendiert den Sudenburgern gleichzeitig ein Pfarrhaus und ein Schulgebäude, wodurch der jungen Gemeinde keine Kosten entstehen. [Ambro, S. 15, 20]

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Das ehemalige ev. Pfarrhaus am Ambrosiusplatz. Der vordere Gebäudeteil wurde später aufgestockt. Ursprünglich war es von gleicher Bauart wie das Schulgebäude, eingeschossig mit Krüppelwalmdach.
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Sudenburgs erstes Schulgebäude in der Hesekielstraße.

 - 1822 -   [nach oben]

Am 13. Oktober 1822 wird fertiggestellte Kirche St. Ambrosius feierlich geweiht.
Wie bereits ihre vier Vorgängerbauten, wurde auch diese Kirche nach dem heilige Ambrosius von Mailand benannt. Die Einweihungsrede hielt der Domprediger Johann Friedrich Wilhelm Koch, ein gebürtiger Sudenburger. Die Kirche war relativ klein und glich eher einer Kapelle. Für die geringe Einwohnerzahl der Sudenburg schien sie jedoch ausreichend zu sein.

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Die 1822 geweihte 5. Kirche St. Ambrosius.
Rechts hinter der Kirche das Pfarrhaus in seiner ursprünglichen Form zu erkennen.
Bildquelle: AKPS, Rep J3 Nr. 796

Neben dem Siedlungskern an der "Halberstädter Chaussee" entwickelte sich auch die "Leipziger Straße" weiter, die damals noch zu Sudenburg gehörte. Sie war die zweite Straße Sudenburgs mit einer offiziellen Bezeichnung.
[Ambro, S. ??] In Welcher Form? Prüfen!!!

 - 1830 -   [nach oben]

Der Sudenburger Rat besteht aus folgenden Personen:
Magistrat:
Bürgermeister: Heinrich Popitz, Rathmann: Carl Friedrich Lömpcke, Stadtsekretär und Kämmerer: Christian Wilhelm Lömpcke, Stadtdiener: Gottlieb Loose.
Allmosen-Kollegium:
Peter Zincke (auch Rendant der Armenkasse), Friedrich Fabel, Johann Heinrich Schulze.
St. Ambrosius Kirche:
Prediger Johann Wilhelm Mevius, Kantor und Schullehrer Matthias Homann (auch Rendant der Kirche), Christ. Fischer, Josepus Fischer, Georg Curths.
Für den Handelsstand:
Gottlieb Buße (Materialhandlung), Martin Weiße  (Materialhandlung), Gast (Leinewandhändler), Wittwe Knippel (Viktualienhändlerin), Christ. Reichwagen (Viktualienhändler)
Gasthöfe, Tabagien und Schenkwirthschaften:
Heinrich Hartmann, Gastgeber "Zum goldenen Schlag" (an der Leipziger Straße).
[Ambro, S. 30]

Sudenburg hat sich gut entwickelt, wie man an der Zusammensetzung des Rates im Vergleich zu 1815 erkennt. Mit wachsender Bevölkerung siedeln sich zunehmend Gewerbetreibende unterschiedlichster Berufe an, die hier bereits sechs Vertreter ihres Berufsstandes in den Rat entsenden. Hinzugekommen ist auch das Allmosen-Kollegium (später Armenkasse genannt), das sich für die Armen und Bedürftigen einsetzt. Auch die Kirchengemeinde St. Ambrosius stellt mehrere Ratsvertreter.

 - 1831 -   [nach oben]

Die erste Apotheke Sudenburgs wird eröffnet.
Der Apotheker Danckworth eröffent sie am 18. September am Breiten Weg (heute Halberstädter Str.) gegenüber dem Marktplatz (heute Ambrosiusplatz). Später erhielt sie den Namen Alte Apotheke. Heute wird im Gebäude ein Cafe betrieben.

Ausbruch der Cholera.
Anfang Oktober bricht im Magdeburger Raum die Cholera aus. In der Altstadt erkrankten im Zeitraum vom 03.10.1831 bis 23.01.1832 insgesamt 631 Personen, von denen 375 nicht überleben. [Chol, S. 12]
Auch Sudenburg ist betroffen. Gegen den Widerstand des Kirchenvorstands werden Pfarrhaus und Schule als Lazarett genutzt. Fünf der erkrankten Einwohner versterben. Nach überstandener Seuche findet am 05.02.1832 ein Dankgottesdienst in der Ambrosiuskirche statt. [Ambro, S. 29]

29.11.: Märkte werden genehmigt.
Die Königliche Regierung in Magdeburg genehmigt der Sudenburg jährliche zwei Pferde- und Viehmärkte auf dem Marktplatz abzuhalten. Einen am Dienstag nach Laetare (30.03.) und einen zweiten Markt am Freitag nach Aegidius (01.09.). [Ambro, S. 29]

 - 1832 -   [nach oben]

Pfarrer Mevius, der 1779 als junger Geistlicher seinen Dienst in Sudenburg antrat, wird nach 53 Jahren Tätigkeit für die Gemeinde altersbedingt von seinen Aufgaben entbunden. Er setzt sich jedoch nicht völlig zur Ruhe, sondern steht der Gemeinde im Rahmen seine Möglichkeiten weiterhin zur Verfügung. Zur Unterstützung und als sein Nachfolger kommt Pfarrer Wilhelm Otto in die Gemeinde. Wann verstarb Pfarrer Mevius? Überprüfen!

 - 1834 -   [nach oben]

In Sudenburg werden 170 Wohnhäuser und 1610 Einwohner registriert.
Knapp 20 Jahre nach dem Neuanfang ist die Einwohnerzahl der alten Sudenburg erreicht. [Ambro, S. 29]

 - 1835 -   [nach oben]

Erweiterung des Sudenburger Friedhofs.
Mit wachsender Bevölkerung stößt der kleine Sudenburger Begräbnisplatz an seine Kapazitätsgrenze. Der Ratmann Peter Zincke schafft Abhilfe und stiftet 2 Morgen Ackerland zu dessen Erweiterung. [...]

Das Traditionsgeschäft "Uhren Meyer" wird gegründet.
Der Uhrmachermeister Carl Meier gründet mit seiner Werkstatt am "Breiten Weg" (heutige Halberstädter Straße) eines der traditionsreichsten Familienunternehmen Sudenburgs, das über vier Generationen von Vater auf Sohn übergeben wird.
Nach Auftrag für eine Werksuhr für das Hauptgebäude der 1849 gegründeten Klusemann'schen Maschinenfabrik, spezialisieren sich die Meyers auf Turmuhren.
Nach dem Konkurs der Maschinenfabrik (1925) sichert sich die Familie diese Uhr und baut sie in die Außenfassade ihrer Werkstatt ein. Noch heute zeigt sie den Passanten der Heidestraße was die Stunde geschlagen hat. Neben vielen Rathaus- und Turmuhren sind auch die der Sudenburger Kirchen St. Ambrosius und St. Marien Anfertigungen aus dem Hause Uhren Meyer. [...]

07.04.: Die erste verkehrsberuhigte Zone Sudenburgs wird eingerichtet.
Nachdem es immer wieder zu Beschwerden kommt, dass der Gottesdienst in der Ambrosiuskirche durch im Trab passierende Reiter und Fuhrwerke gestört wird, wird eine Geschwindigkeitsbeschränkung erlassen: Unter Strafandrohung ist im Bereich der Kirche während der Gottesdienstzeiten nur noch Schritttempo erlaubt.
Unterzeichnet wurde diese Verordnung vom ersten Magdeburger Kommandanten Graf von Hake (für die königliche Regierung), dem Magdeburger Bürgermeister Francke und dem Sudenburger Bürgermeister Carl Friedrich Lömpcke. [Ambro, S. 29f]

 - 1836 -   [nach oben]

Die Runkelrübenzuckerfabrik Zuckschwerdt & Beuchel nimmt ihren Betrieb auf.
Errichtet wurde sie an der nordwestlichen Stadtgrenze Sudenburgs, auf dem Grundstück Breiter Weg 76 (heute Halberstädter Straße 183). [...]
Später wird daraus die Zuckerraffinierie Magdeburg AG. Nach 1945 ist sie als VEB Zuckerraffinerie "Hermann Danz" die letzte verbliebene Raffinerie Magdeburgs.

Ein von Peter Zincke gestiftetes Leichenhaus wird feierlich eröffnet.
Es lag am Ende der Kirchhofstraße, direkt vor dem Friedhofseingang. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Verstorbenen bis zu ihrer Beisetzung in ihrem Wohnhaus belassen, was natürlich zu Problemen führte.
Neben der Leichenkammer und einer Stube für den Leichenwärter gab es in diesem Mehrzweckhaus auch noch einen Schulraum, eine Stube für den Lehrer, ein Sitzungszimmer für den Sudenburger Magistrat und eine Gefängnisstube. Der Zugang zum Friedhof führte durch einen Torgang in der Mitte des Gebäudes, von dem aus auch das Treppenhaus und die Stuben zugänglich waren. [...]

 - 1839 -   [nach oben]

21.02.: Erneute Erweiterung des Friedhofs.
Der Sudenburger Begräbnisplatz stößt erneut an seine Kapazitätsgrenze. Wieder springt der Ratmann Peter Zincke ein, der zur dringenden Erweiterung des Friedhofs zwei Morgen Ackerland stiftet. [...]

Das "Das Handbuch der Provinz Sachsen, 1839" berichtet über Sudenburg:

Einwohner:  2017

Magistrat:
Lömpcke, Brgmstr., auch Schiedsm. Zincke, - Jordan, - L'Amy: Rathsmänner. Reinschmidt, Lt. a. D.: Stadt-Secretär, Kämmerer und Orts-Einnehmer.
Geistlichkeit:
Mörius, past. emer. - Otto, past adj.
Lehrer:
Homann, Kantor. Bälz
Med. Pers.:
Spamann, pract. Arzt und Wundarzt 1. Kl. - Danckworth, Apoth.
Holzhandl.:
Lange. - Leidloff & C. - Neumann. Rusche. Schmidt.
Fabriken:
Gebr. Burchardt. - Hecht, Schrader & Helle, - Zuckschwerdt & Beuchel, - Krüger & Maquet, in Runkelrüben-Zucker.
Carl Helle, desgl., in Beinschwarz und Cichorien. Fölsche & Burchardt, desgl. und in Cichorien. Müller & Weichsel, in Tabak und in Cichorien.
Leroux, in Zündhütchen.Crüger, in Oel. Reinhardt's Erben, - Giebel, - Bethge & Jordan, in Cichor. Lömpcke, - König, - Jordan, - Schneider's Erben, - Wilh. Burchardt, Cichorien-Cultur und Darre. Schüler, in Cigarren. Carl Heyroth, in Porzellanmalerei.
Gasthöfe: 
(Rusche), Goldene Löwe (Schäper). Alte Schlag (Seibert). An den drei Lilien (Stechan). Goldene Sonne (Walter).

Die Industrialisierung schreitet voran: Seit 1818 hat sich neben der Zichorien- auch die Zuckerindustrie in Sudenburg etabliert: Es sind im Zeitraum sechs Zuckerfabriken entstanden und eine große Tabakfabrik.
Unter "Geistlichkeit hat sich ein Fehler eingeschlichen: Mörius ist sicher ein Schreibfehler, es müsste Mevius heißen. "past. emer" bedeutet hier, das der alte Pfarrer Mevius zwar von seinen Aufgaben entbunden war, aber weiterhin der Gemeinde zur Verfügung stand. Als Hilfe und Vertreter (past. adj.) war ihm (bereits seit 1832) Pfarrer Otto zur Seite gestellt, der nach Mevius die Pfarrstelle übernahm.

 - 1844 -   [nach oben]

Gründung einer Porzellanfabrik.
Carl Heyroth gründet auf dem heutigen Grundstück Halberstädter Str. 60/62 die Porzellanfabrik Heyroth & Co., die bis 1853 Bestand hat. Bereits 1836 hatte er sich auf dem Gelände mit einer Porzellanmalerei angesiedelt, die er am Breiten Weg in der Altstadt gegründet hatte. Das Porzellanzeichen ist HPM. In Zusammenarbeit mit der Buckauer Porzellanmanufaktur sind Produkte aus dem Hause Heyroth auch mit BPM vermarktet worden. [...]

 - 1845 -   [nach oben]

29.12.: Eine schreckliche Familientragödie ereignet sich in Sudenburg.
Der Schmelzer Christian Holzwart, der mit seinem Geschäft vor dem völligen Ruin steht, tötet seine Ehefrau und die fünf Kinder, um sie vor den aus seiner Sicht schlimmen Folgen zu beschützen. Nach der Tat steckt er sein Haus in Brand und verweilt in der Wohnung. Als er merkt, dass die Verletzungen, die er sich beigebracht hat, ihn nicht wie gewünscht töten würden, verlässt er das brennende Haus und irrt durch die Nacht. Bei einem Arzt in Magdeburg wird der verwirrte Mann am Morgen aufgegriffen und verhaftet. Er gesteht die Tat und wird 1848 zum Tode verurteilt, was er selbst auch wünscht. Ein mögliches Gnadenersuchen beim Kaiser lehnt er ab. Die bereits vorbereitete Hinrichtung wird verschoben, da man sich wegen der in Preußen ausgebrochenen "Unruhen" (siehe unter 1848) nicht traut sie auszuführen. Nach Ende dieser "Unruhen" wird seine Strafe 1849 in lebenslänglich Zuchthaus umgewandelt. Am 28.02.1850 erreicht er doch sein Ziel: Gegen drei Uhr nachmittags stürzt er sich von einer Verbindungsbrücke des Zuchthauses Halle in den Tod. Er war bis zu seinem Ende davon überzeugt das Richtige für seine Familie getan zu haben.
Die ganze tragische Geschichte findet sich online: HIER
[Jakob Wassermann; "Deutsche Charaktere und Begebenheiten", Rikola Wien, 1924, S. 223ff]

 - 1846 -   [nach oben]

Gründung der ersten Maschinenfabrik Sudenburgs,
Schöttler & Comp. Am Breite Weg 20-21 (der späteren Halberstädter Straße). Die Firma war vor allem für die Zuckerindustrie tätig. Produziert wurden auch Anlagen für die Herstellung von Kalksandsteinen, Apparaturen für Brauerein, Brennereien und Zichorienfabriken. [...]

 - 1848 -   [nach oben]

Am 14. April gründet sich im Gasthof "Zum goldenen Löwen" der Schützenverein Magdeburg-Sudenburg.
[Halber, S. 137]

 - 1848/49 -   [nach oben]

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Jubelnde Revolutionäre nach Barrikadenkämpfen im März 1848 in Berlin.
[Bildquelle: WIKIMEDIA]

Deutsche Revolution.
Nach dem Sieg über Napoleon wurde der Absolutismus wieder eingeführt, die Rückkehr zur alten Ordnung. Monarchen und Fürsten übernahmen wieder die Macht in ihren Hoheitsgebieten. Aus dem Bürgertum kamen verstärkt Forderungen nach mehr Freiheitsrechten und nationaler Einheit Deutschlands. Repressionen und Verfolgung dieser Gruppe durch den Staat waren die Folge. Die Veränderungen der sozialen Struktur durch die Industrialisierung verstärkte den Druck auf die Herrschenden.
Die Einführung der Dampfmaschine in den Produktionsprozess erhöhte zwar die Produktion und Profite der Fabrikbesitzer, ersetzte jedoch viele Arbeitsplätze. Eine hohe Arbeitslosigkeit war die Folge. Viele Familien lebten am Existensminimum oder darunter. Die armen Arbeiter und Bauern drängten auf eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung nahm wegen der Unnachgiebigkeit des herrschenden Adels ständig zu und gipfelte 1848 in offenen Aufständen in vielen Städten. König Friedrich Wilhelm IV. lenkte schließlich ein und ersetzte die Regierung durch ein liberales Ministerium. Für Preußen wurde eine Nationalversammlung eingeführt, die eine liberalere Verfassung für das Königreich Preußen ausarbeiten sollte. Sie versammelte sich in der Frankfurter Paulskirche. Der König hatte zwar eingelenkt, aber letztendlich nur um wieder Ruhe im Land herzustellen. An wirklichen Veränderungen war er nicht interessiert.
1849 kam es erneut zu Aufständen, die mit militärischer Gewalt niedergeschlagen wurden. Da sich die bürgerlich liberale und demokratische Strömung zerstritten und eine Zusammenarbeit beider Gruppen unmöglich wurde, war die erste Demokratiebewegung in Deutschland zum scheitern verurteilt.
Nicht nur König und Adel hatten sich nachhaltig die Ablehnung durch die Bevölkerung zugezogen, sondern auch die Kirche. Diese lehnte ebenso demokratische Bestrebungen und Veränderungen ab. Folge war, dass sich Kirche und Gemeindemitglieder immer mehr entfremdeten und das kirchliche Gemeindeleben in den folgenden Jahren fast zum Erliegen kam. Belegt wird dies durch einige Aussagen aus der Chronik des Sudenburger Pfarrers Hirschberg (1851-1867), die nachfolgend den jeweiligen Jahren zugeordnet sind.

 - 1849 -   [nach oben]

Gründung der Maschinenfabrik Klusemann & Woltersdorf,
an der heutigen Halberstädter Straße. [...]
Anm.: Ab 1860 als "F.A. Klusemann, Maschinenbauanstalt und Eisengießerei", ab 1872 "Sudenburger Maschinenfabrik und Eisengiesserei AG".

Wieder Ausbruch der Cholera.
Erneut bricht die Cholera im Magdeburger Raum aus und zieht sich bis ins Folgejahr hin. Auch Sudenburg ist von der Epidemie schwer betroffen. Im Jahr 1849 sind in Sudenburg 176 Tote zu beklagen. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]
Anm.: Ob diese Epedimie eingeschleppt wurde, oder der schlechten Trinkwasserqualität geschuldet war, lässt sich heute nicht mehr klären.

 - 1850 -   [nach oben]

Die Epidemie wütet weiter, schlimmer als im Vorjahr. Bis zu ihrem Abklingen sterben weitere 309 Sudenburger.
Mitten in dieser schweren Zeit tritt Pfarrer Karl Runge die Nachfolge des 1849 ausgeschiedenen Pfarrers Wilhelm Otto in der St. Ambrosiusgemeinde an. Kurz nach seinem Amtsantritt steckt auch er sich an und verstirbt nach nur knapp drei Monaten Amtszeit. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

18.08.: Der Ratmann und Stifter Peter Zincke verstirbt im Alter von 74 Jahren.
Er wird in seinem Grabgewölbe, das er sich bereits zu Lebzeiten hatte errichten lassen, auf dem (Alten) Friedhof beigesetzt, wo sich der Sarg (neben dem seiner Frau) noch heute befindet. Sein Vermögen vermacht er testamentarisch vier von ihm gegründeten gemeinnützigen Stiftungen, die der Ambrosiusgemeinde, dem Friedhof und den "gottesfürchtigen" Sudenburger Armen und Alten zugute kommen. Die Stiftungen sind mit Barvermögen und Landbesitz ausgestattet und werden vom Sudenburger Magistrat verwaltet. [...]

 - 1851 -   [nach oben]

Pfarrer Carl Hirschberg tritt am 04. Mai die Nachfolge des verstorbenen Pfarrers Runge an St. Ambrosius an und bezieht mit seiner Familie das Pfarrhaus neben der Ambrosiuskirche. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Einige Wochen später tritt der neue Bürgermeister Meinecke sein Amt an, in das er für 12 Jahre gewählt wird.
Sein Vorgänger Carl Friedrich Lömpcke hatte sein Amt niedergelegt. Später im Jahr ertrinkt Loempcke aus unerklärter Ursache beim "rothen Horn" (heutiger Rotehornpark). [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Schweren Unfall auf dem Gelände der "Zuckerfabrik E. C. Helle".
Im Spätherbst zerspringt der Dampfkessel der Fabrik. Der austretende Dampf verbrüht zwei Ehepaare, die in unmittelbarer Nähe ihre Vesper zu sich nehmen. Drei Personen kommen ums Leben, nur ein Ehegatte überlebt. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

 - 1853 -   [nach oben]

Es wird in Sudenburg für Fußgänger etwas komfortabler. In der Abendstraße (heute Schöninger Straße) und im unteren Teil der Schulstraße (heute St. Michaelstraße) werden die Gehwege und Rinnsteine gepflastert und (Zitat Pfarrer Hirschberg:) "aus dem Koth emporgehoben". [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Pfarrer Hirschberg berichtet: "... Lehrer Wusterhaus wurde Cantor u. Küster und erster Kn. Lehrer, Berges Organist. Beide, namentlich ersterer, der Demokratie etwas anrüchig, führen sich äußerst legal; ...". [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

 - 1854 -   [nach oben]

Das "Handbuch der Provinz Sachsen" veröffentlicht 1854 (S. 133f) folgende Angaben über Sudenburg:

Einwohner:  4619 (Stand entspricht 1852)

Magistrat:
Meinecke, Bürgermeister. - Müller, Beigeordneter, - Grupe, - Neubauer, - Reinhardt, - Rusche, Rathmänner. Michaelis, Kämmerer und Orts-Einnehmer, - Schlauch, Hilfs-Expedient, - Schwenk, Polizei-Sergeant, - Kayser, Kastellan und Polizei-Diener.
Stadt-Verordnete:
Fölsche, Fabrikant, Vorsitzender, - Sontag, Kaufm., - Wiedekopf, desgl., - Howey, desgl., - Haase, Klempnermeister, - Lömpke, Fabrikant, - Müller, Gärtner, - Gollmer, desgl., - Friese, desgl., - Behrendt, Maurermeister, - Beuchel, Kaufm., - Freye, Bäckermeister.
Geistlichkeit:
Hirschberg, Pastor. - Decker, Pred.
Lehrer:
a) Bürgerschule:  Decker, Pred., Rector. - Wusterhaus, Cant. - Berger, Organist. - Buchmann. - Taeger. - Kummer, Lehrer. - Fräul. Rieding, Lehrerin.
b) Armenschule:  Lincke, Lehrer.
c) Katholische Schule:  Dobrow, Lehrer.
d) Fortbildungs-Schule:  Wusterhaus, - Berger, Lehrer.
Milde Stiftungen:
Das Laas'sche Legat:  Curatorium: Meinecke, Bürgermeister. - Hirschberg, Pastor., - Das Wittesche Legat. - Die Zinke'sche Landwehrstiftung.
Medicinal-Personen:
Jasper, - Spamann, - Wutsdorf, pract. Ärzte und Wundärzte 1. Kl., - Bischof, Tierarzt 1. Kl.
Schiedsmann: Grupe, Rathmann.

 - 1855 -   [nach oben]

Erneut stößt der Friedhof an seine Kapazitätsgrenzen und muss erweitert werden. Der Kirchengemeinde gelingt es benachbarte Ackergrundstücke von Margarethe Wolf und Gustav Busch zu erwerben. Der Kaufpreis beträgt 530 Goldtaler.
[Ambro S. ???], [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Im Sommer gibt es eine Verbesserung am Breiten Weg (heute Halberstädter Straße), über die Pfarrer Hirschberg in seiner Chronik schreibt:
"Die zu Kloaken- und Rattenburgen gewordenen Chausseegräben am Breiten Wege werden in flacher liegende Rinnsteine verwandelt, welche, ausgemauert, nun die Unräthe rasch fließen lassen" [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Erneut wird der Magdeburger Raum von der Cholera heimgesucht. Von den 121 Sudenburger Erkrankten verlieren ca. 30 ihr Leben.
[AKPS, Rep J3 Nr. 796]

 - 1856 -   [nach oben]

Aus der Maschinenfabrik "Schöttler & Comp." wird "Röhrig & König".
Schöttler verkauft seine Gewinn abwerfende Fabrik. Er hat bereits ein neues Projekt im Kopf, das er im Folgejahr gemeinsam mit seinem Prokuristen umsetzt. [...]
"Röhrig & König" betrieb die Fabrik am Standort weiter. 1894 zog das Unternehmen auf ein neues Betriebsgelände an der Blankenburger Straße 68-70 um. Am 15.08.1906 wurde es an die Maschinenfabrik Buckau) verkauft, die den Betriebsteil als "Abteilung Sudenburg, vorm. Röhrig & König" weiterführte.

Im Juni wird mit dem Bau der Sudenburger Gasanstalt begonnen. Sie entsteht am Breiten Weg, zwischen "Jordan und Rettig, gegenüber dem Schwerinschen Grundstück". Aus heutiger Sicht liegt dieser Standort auf der Straßenfläche des Südring an der Kreuzung mit der Halberstädter Straße. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

 - 1857 -   [nach oben]

Gründung der "Dampfmahlmühle Schöttler und Co."
Schöttler betrieb das Unternehmen mit Compagnon W. A. Drenckmann, seinem ehemaligen Prokuristen. Die Mühle produzierte Weizen-, Roggen- und Kartoffelmehl. Nachdem Schöttler 1870 ausschied und nach Braunschweig übersiedelte führte Teilhaber Drenckmann das Unternehmen als W. A. Drenckmann Dampfmahlmühle alleine weiter. Über drei Generationen wurde das Unternehmen erfolgreich von der Familie Drenckmann geführt, bis es 1953 enteignet wurde. Das Firmengelände befand sich auf dem heutigen Grundstück Halberstädter Straße 69. Heute befindet sich auf dem Grundstück der Neubau der Bußgeldstelle. Im dahinter liegenden, erhaltenen Mühlengebäude ist heute eine Außenstelle des Landesverwaltungsamts Sachsen-Anhalt untergebracht. [...]

Spenden für die Ambrosiuskirche und den Friedhof.
Am Samstag vor Judika (28. März 1857) überreich ein Knabe dem Pfarrer Hirschberg einen grau und weiß gewirkten Teppich, mit der schriftlichen Bitte eines anonymen Spenders, diesen vor die Stufen des Altars der Ambrosiuskirche zu legen. Hirschberg kommt dieser Bitte gerne nach, da der vorhandene in einem sehr schlechten Zustand ist.
Zu Ostern lässt der Ratmann Grupe auf seine Kosten den ganzen Altarraum mit Decken tapezieren.
Auch werden im April je zwei Linden an den Eingängen der Kirche gepflanzt und eine an der Nordseite des Pfarrhauses.
Diese stammen vom "Verschönerungsverein des Kirchhofs", der weitere 25-30 Bäume aus dem Herrenkrug bezogen hatte. Die übrigen Linden wurden auf den Friedhof geplanzt, zur Ergänzung der Allee und "an den neuen Weg vorn Süd - Nord". [AKPS, Rep J3 Nr. 796]
Anm.: Einige dieser inzwischen über 150 Jahre alten Linden sind noch heute auf dem Alten Friedhof zu bestaunen.

 - 1858 -   [nach oben]

Sudenburgs Einwohnerzahl ist auf 5.126 gestiegen. [...]

Zuckerfabrik brennt nieder.
Im Winter brennt die Rübenzuckerfabrik des August Helle nieder, die nicht wieder aufgebaut wird. Ihr Standort war an der heutigen Halberstädter Straße, östlich der Einmündung der heutigen Buckauer Straße. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Am 17. Juni verstirbt Sophie Zincke, die Witwe des Ratmannes und Stifters Peter Zincke.
Sie wird neben ihrem Ehemann im Zincke'schen Grabgewölbe auf dem Alten Friedhof beigesetzt. Peter Zincke hatte Sudenburger Armenkasse zu seiner Universalerbin gemacht und einige Stiftungen unter die Aufsicht des Kirchenvorstandes gestellt. Seiner Ehefrau hatte er testamentarisch ein lebenslanges Niesbrauchsrecht über seinen Bestitz und die Stiftungen eingeräumt. Mit dem Tod Sophie Zinckes fällt nun auch das Wohnhaus der Zinckes an den Magistrat, der es zum Sudenburger Rathaus umgestaltet und bezieht. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Das neue Schulhaus in der Kirchhofstraße wird fertiggestellt.
Das 1857 begonnene Gebäude bietet vier Klassenräume auf zwei Etagen, für jeweils 100 Kinder. Im Giebel nordwärts wurde Wohnraum für zwei Lehrer geschaffen. Am 28. Juni wird die neue Schule bezogen. Pfarrer Hirschberg und die Lehrer führen die Kinder vom alten zum neuen Schulgebäude, wo bereits der Magistrat und die Stadtverordneten versammelt waren. Nach einer kurzen Rede von Pfarrer Hirschberg ziehen die Kinder in das neue Gebäude ein.
Mit Hilfe des Vermächtnisses des Ackerbürgers Witte, der 300 Reichttaler stiftete ("Wittesches Legat"), wird die Schulbibliothek weiter ausgebaut.
Auch eine Privatschule mit einer Lehrerin (Fräul. Stock) und zwei Lehrern (Rudolph und Richter) wird eröffnet.
[AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Foto Schule einfügen!!!

Verlegung einer Wasserleitung.
Quer durch Sudenburg wird eine Leitung aus gusseisernen Röhren mit 2 Fuss (ca. 60 cm) Durchmesser in einer Tiefe von 6 Fuss (ca. 1,80 m) verlegt. Sie führt von Buckau zum Pfarracker bei Kl. Ottersleben, auf den Kroatenberg. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]
Hintergrund war der Neubeu des Magdeburger Wasserwerkes an der Elbe bei Buckau. Das Alte, für die wachsenden Stadt auch nicht mehr ausreichend, musste wegen dem Bau einer neuen Elbbrücke verlegt werden. Auf dem Kroatenberg entstand das heute denkmalgeschützte Trinkwasser-Hochreservoir.

 - 1859 -   [nach oben]

Die neue Wasserversorgung wird fertiggestellt.
Das neue Buckauer Wasserwerk nimmt seine Arbeit auf und versorgt neben Magdeburg auch die Sudenburg mit gefiltertem Elbwasser, das durch die neue Leitung in das Reservoir auf dem Kroatenberg gepumpt wird. Das gefilterte Wasser wird härter befunden, als das zuvor direkt der Elbe entnommene oder das alternativ verwendete Regenwasser. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Das Dachgeschoss des Pfarrhauses wird teilweise ausgebaut. Im Nordgiebel wird ein neues Zimmer eingerichtet, was der großen Familie Pfarrer Hirschbergs sehr zugute kommt. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

 - 1860 -   [nach oben]

Die Mobilmachung des Bundesheeres 1859 anlässlig des Österreichisch-Italienischen-Französischen Krieges, zeigt negative Auswirkungen auch auf Sudenburg. Es fehlt an Nahrung. Die Zahl der Eheschließungen bricht in dieser Kriesenzeit ein. Dazu kommt eine schlechte Zahlungsmoral, die sogar dazu führt, dass Pfarrer Hirschberg einen Pächter verklagen muss, um sein Auskommen zu sichern. Die Einnahmen der Pfarrstelle brechen ein, da der Pfarrer noch kein festes Gehalt bezieht. Die Pfarrstelle wird noch immer aus Gebühren für Eheschließungen, Begräbnisse, etc. und zusätzlich aus mit der Stelle verbundenen Pachteinnahmen finanziert. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Im Jahr 1860 sorgte ein neues Ereignis für Verdruss bei Hirschberg. Der wachsenden katholischen Gemeinde der Sudenburg wurde ein Kaplan zur Seite gestellt, der damit begann in der (kath.) Schule Messen zu lesen. "Ungläubige, schlechte Eltern" lassen ihre Kinder übertreten wegen dortigen geringern Schulgeldes u laxerer Disziplin.", prangert er an. Die neue katholische Gemeinde sieht er als Gegner an, gegen den er jedoch nichts unternehmen kann.
[AKPS, Rep J3 Nr. 796]

 - 1861 -   [nach oben]

Veränderungen im Sudenburger Schulwesen:
Die Armenschule wird umbenannt und heißt von nun an "Volksschule".
Kinder säumiger Zahler und solche, die die Schule nicht regelmäßig besuchen werden aus der Bürgerschule entfernt, die nun mehr leisten soll. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Ein Trainbataillon Soldaten wird am 01. Oktober nach Neustadt verlegt, das zwei Jahre in Sudenburg stationiert war. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]
Wo waren die untergebracht???

Pfarrer Hirschberg berichtet in seiner Chronik:
"Die Massen, auch die 2t Kammer (Anm.: des preußischen Parlaments) wollen die Civilehe; sie ist in der 1. Kammer zum 3t mal durchgefallen. Gott bewahre uns davor. Hier würden 3/4 der Brautpaare die kirchl Trauung nicht mehr begehren." [AKPS, Rep J3 Nr. 796]
Anm.: Die Einführung der Zivilehe scheiterte hier zunächst noch. Ein Jahrzehnt später wurde sie am 23. Januar 1874 in Preußen eingeführt. Nach preußischem Vorbild 1875 im gesamten Deutschen Reich.

Pfarrer Hirschberg teilt uns zur Krönung von Wilhelm I. erneut seine politische Einstellung mit:
"König Wilhelm I nahm am 18. Oktober (Gedenktag der Schlacht bei Leipzig, in der Schloßkirche zu Königsberg die Krone vom Altare und setzte sie auf sein Haupt zum Zeugnis daß er ein König von Gottes Gnaden wider die Democraten, welche sich fast wie 1828 sehr regen. Um dieselbe Tagesstunde 10 Uhr war in allen Kirchen des Landes Gottesdienst. ... Außer Magistrat und Kirchenrath wenig Zuhörer." [AKPS, Rep J3 Nr. 796]
Anm.: König Friedrich Wilhelm von Preußen war am 02. Januar 1861 verstorben. Die Aufzeichnung Hirschbergs zeigt die noch immer bestehende große Kluft zwischen Staat/Kirche und Bevölkerung.

Auch die katholische Gemeinde darf nun den evangelischen Sudenburger Friedhof nutzen.
Die Ambrosiusgemeinde wirde vor ein neues "Problem" gestellt. Die Industrialisierung führte immer mehr Katholiken ins evangelische Sudenburg, jedoch hatte die wachsende katholische Gemeinde keine eigene Begräbnisstätte. Die Ambrosiusgemeinde unter Leitung von Pastor Hirschberg, fasste daher den Beschluss, den Friedhof an die Kommune zu verkaufen, um auch den Katholiken die Bestattung auf dem Friedhof zu ermöglichen. Über den Sudenburger Bürgermeister Meinecke wurde dieser Antrag an die königliche Regierung weitergeleitet. Der Antrag wurde jedoch im folgenden Jahr abgelehnt und die Ambrosiusgemeinde wurde angewiesen, auch katholische Bestattungen auf dem Friedhof zuzulassen. Alle Parteien mussten diese Entscheidung akzeptieren und der Friedhof blieb weiterhin im Besitz der evangelischen Kirche. [Ambro, S. ???]

 - 1862 -   [nach oben]

11.03.: König Wilhelm I. löst die erst im Januar gewählte 2. Parlamentskammer auf und erstetzt das liberale Ministerium durch ein konservatives. Hirschberg gibt hierzu die Stimmung der Sudenburger wieder:
"Alle Welt grollt inwendig u ist böse auf den König." [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Gründung des Männer-Turn-Verein Sudenburg v. 1862 e.V. (M-T-V-S, später umbenannt in "Allgemeiner Turnverein Sudenburg v. 1862 e.V."). [NiGr1, S. 61]

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Auszug aus einer Postkarte von 1901.
[Archiv Sudenburg-Chronik]

Am 30. Juli wird ein neuer Teil des Friedhofs eingeweiht.
Die Kirchengemeinde hatte dafür ein angrenzendes Ackerstück von Herrn Bünger erworben. Die Weihe erfolgt im Rahmen der Beerdigung des erst 17-jährigen Nachbarssohns des Pfarrhauses Carl Bruck, der in der südöstlichen Ecke des Ackerstücks seine letzte Ruhe findet. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]
Anm.: Die Grabstelle existiert heute nicht mehr.

Planung für ein neues Mausoleum für Peter Zincke.
Die Zinkesche Grabgewölbestiftung erwirbt für 1.500 Reichstaler 125 Quadratruten Land von der Kirche, um darauf ein neues Mausoleum für die Zinckes zu erbauen. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]
Anm: Dieser geplante Neubau wird nicht zur Ausführung kommen.

22.09.: Wilhelm I. beauftragt Otto von Bismarck mit der Übernahme der Regierung.

 - 1863 -   [nach oben]

Grafe wird neuer Bürgermeister der Sudenburg.
Die Amtszeit von Bürgermeister Meinecke endet nach 12 Jahren. Er stellt sich erneut zur Wahl, kann sich jedoch nicht durchsetzen. "Mit seiner polizeilichen Strenge" hatte er "sich zu viel Feinde gemacht". Neuer Bürgermeister wird der "Referendarius" Grafe, der auch der letzte der Stadt Sudenburg sein wird. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Auf dem Friedhof, hinter dem Eingang rechts, wird für rund 100 Reichstaler ein neues, massives Bahrenhaus errichtet. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]
Anm.: Nur noch ein Teil des Gebäudes ist heute erhalten.

 - 1864 -   [nach oben]

Konkrete Planungen für eine neue Ambrosiuskirche.
Schon seit geraumer Zeit wurde der Wunsch nach einer neuen, größeren Kirche lauter. Die 1822 geweihte Ambrosiuskirche wurde für die schnell wachsende Stadt inzwischen als zu klein befunden. Bürgermeister Grafe nahm sich dieser Aufgabe an und beauftragte den Magdeburger "Prachtbaumeister" Marks mit den Zeichnungen und einen Kostenvoranschlag. Die Planung ergab eine Bausumme von 37.000 Reichtstaler.
Stadt und Kirche machten nun einen Kassensturz. Man überlegte, dass man die Zinckes auch in der neuen Kirche bestatten könnte, anstatt ein neues Grabgewölbe zu errichten. Durch diesen Schachzug konnte auch das Vermögen der Grabgewölbestiftung zur Finanzierung der Kirche herangezogen werden. Trotz allen Bemühungen, incl. einer Anleihe auf Grabgewölbe- und Turmbaustiftung, kam nur eine Summe von 22.000 Reichstaler zusammen. Da eine Finanzierung nicht möglich war, mussten die Planungen vorerst auf Eis gelegt werden.
[AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Das Armenhaus "Peter-Zincke-Stiftung" wird erbaut.
Das Gebäude bietet Wohnungen für 28 Arme und geht zurück auf die Hauptstiftung des Peter Zincke. Veranlasst durch Bürgermeister Grafe entsteht das Gebäude an der Marktstraße (der heutigen Hesekielstraße, Ecke Bahrendorfer Straße). Es gibt zunächst Schwierigkeiten die Wohnungen zu belegen, da das Gebäude wegen seiner hohen Decken sehr schwer zu heizen ist.
[AKPS, Rep J3 Nr. 796]

 - 1865 -   [nach oben]

Der Breite Weg, die heutige Halberstädter Straße, wird zur Allee.
Bürgermeister Grafe hatte die Pflanzung von Linden an der Hauptstraße veranlasst, wahrscheinlich bereits nach seinem Amtsantritt 1863. Pfarrer Hirschberg berichtet nun, dass die Bäume wegen ungünstiger Witterung in den Frühjahren nur sehr schlecht wachsen.
Weiter berichtet er von einem sehr nassen Sommer 1864, dem ein sehr langer, harter Winter folgte, der bis März 1865 anhielt. Im Oktober waren ihm alle Weintrauben unreif erfroren. Es folgte ein Sommer, der von April bis September Dürre brachte und mit Ausnahme des Juni sehr große Hitze. In Juli, so berichtet er, "traf mich und mein Haus die größte Drangsalshitze meines bisherigen Lebens". Die Zichorien, Rüben und Bollen gingen in diesem Jahr zum Teil gar nicht auf.
[AKPS, Rep J3 Nr. 796]

16.07.: Drei neue Älteste werden in den Kirchenrat gewählt: Dr. Rißmann, Ackerbürger Schröder und Ackerbürger Müller. Von den über 1000 Wählern erscheinen nur 13. Hirschberg beklagt fragend dazu: "Wann wird das Gemeindeleben aus seinem Todesschlaf erwachen?"
[AKPS, Rep J3 Nr. 796]

Bürgermeister Grafe wird nach Angermünde versetzt.
Am 01. August verläßt er Sudenburg und übernimmt für ein Jahresgehalt von 1.600 Reichstaler den dortigen Bürgermeisterposten.
Ob hinter der Versetzung eine Einflussnahme der Stadt Magdeburg auf die Königliche Regierung steht, muss wohl Spekulation bleiben. Magdeburg, wegen der umgebenden Festungsanlagen kaum noch in der Lage Flächen für Neuansiedlungen zur Verfügung zu stellen, hatte schon länger mit einer Eingemeindung der Sudenburg geliebäugelt. Nach Grafes Abberufung wird das Bedrängen des Sudenburger Rates erhöht, bis dieser schließlich der Aufnahme von Vereinigungsverhandlungen zustimmt. Einen neuen Bürgermeister erhält Sudenburg nicht mehr. Der Posten wird kommissarisch mit dem Gerichtsassessor Reißner besetzt. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

 - 1866 -   [nach oben]

Dieses Jahr ist von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt, die auch das Leben in Sudenburg dominieren. Ausgehend vom siegreichen Deutsch-Dänischen Krieg, bei dem Schleswig-Holstein von preußischen und österreichischen Truppen besetzt wird, wird durch diplomatische Schachzüge ein Krieg zwischen Preußen und Österreich und deren jeweils Verbündeten provoziert. Auf preußischer Seite zieht Otto von Bismarck maßgeblich die Fäden. Es kommt zum Deutschen Krieg, der mit einem Sieg Preußens am 03. Juli in der Schlacht bei Königgrätz entschieden und mit dem "Prager Frieden" am 23. August 1866 beendet wird. Folge ist der Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht und das Ende der deutschen Kleinstaaterei durch die Bildung des Norddeutschen Bundes, aus dem heraus 1871 die Gründung des Deutschen Reiches erfolgen wird.

Auch für Sudenburg hat der Krieg negative Auswirkungen. Die gekappten Handelsbeziehungen führen zu hoher Arbeitslosigkeit. Auch sorgt man sich um die ca. 100 Sudenburger, die mit in den Krieg ziehen mussten. Letztendlich sind zwei Tote zu beklagen. Einer Sudenburger fällt, ein zweiter verstirbt an der Cholera. Wie in ganz Preußen zeigt man sich auch in Sudenburg patriotisch und opferbereit. Man spendet großzügig für die Verwundeten und unterstützt die Armen. [AKPS, Rep J3 Nr. 796]

 - 1867 -   [nach oben]

Magdeburg und Sudenburg einigen sich auf einen 11 Paragraphen umfassenden Vereinigungsvertrag.

07.02.: Vertragsratifizierung der Sudenburger.
Unterzeichnet für den Magistrat durch den kommissarischen Bürgermeister und Gerichtsassessor Reißner, für die Stadtverordnetenversammlung durch Fölsche.

02.03.: Vertragsratifizierung der Magdeburger.
Unterschrieben für den Magistrat durch Bürgermeister Hasselbach, für die Stadtverordnetenversammlung durch Harte.

18.05.: König Wilhelm I. von Preußen erteilt die Genehmigung zur Vereinigung.

01.07.1867: Die Vereinigung der Städte Sudenburg und Magdeburg wird vollzogen.
Nach 469 Jahren verliert Sudenburg seine Eigenständigkeit und wird zu einem Stadtteil Magdeburgs. [SPA??, S. ???]

Zum Zeitpunkt der Vereinigung hat Sudenburg 6335 Einwohner. [Ambro, S. 38]
Anm.: Das "Handbuch über den Preußischen Hof und Staat" von 1868 gibt eine Bevölkerungszahl von "nur" 5.947 an.

Die bebauten Straßen waren: (in Klammern die abweichenden heutigen Bezeichnungen)

weiter mit 1867 - 1933

Quellen:

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aktualisiert: 07.09.2015