Die Industriegeschichte Sudenburgs

Firmenblatt: Bearbeitungsstand: 23.03.2016

Müller & Weichsel Nachfolger (Gebrüder Steffens)

Zichorien- und Schokoladen- und Malzkaffeefabrik

Dom-Chocolade-Fabrik (Gebrüder Steffens & Co., Walter Engel)

Firmendaten:

Gründung - Ende: 1869/70 - 1919 (Übernahme durch Walter Engel (Inh.) bzw. die Gebrüder Engel)
Gründer: Carl Heinrich Ferdinand Steffens (* 26.01.1844 in Magdeburg, † 26.10.1900 in Sudenburg)
Standort(e): Halberstädter Straße 113 und 115
Produkt(e): Zichorienpulver, Malzkaffee, Schokolade, Zuckerwaren, Teehandel
Bemerkungen: Das Fabrikgelände erstreckte sich von der Halberstädter Straße bis zum Königsweg (heute Salzmannstraße). Die Schokoladenfabrik belegte etwa die Hälfte der Grundstücksfläche, von der Halberstädter Straße aus gesehen. Dahinter lagen Stallungen für Pferde und Ochsen. Im hinteren Grundstücksdrittel (am Königsweg) lag eine dampfgetriebene (Lokomobile) Zichoriendarre, mit zwei Darrengebäuden. Erhalten sind heute noch die Fabrikantenvilla und ein dreigeschossiger Gebäudekomplex der Schokoladenfabrik. Quer über das ehemalige Fabrikgelände verläuft heute der GutsMutsweg mit beidseitiger Wohnbebauung. Ebenfalls wurde auf dem Gelände um 2005 (?) ein großes Altenheim errichtet. 
Müller & Weichsel Nachfolger Briefkopf 1910
Briefkopf von 1910. [Bildquelle: Archiv Sudenburg-Chronik]

Firmenchronik:

Jahr: Ereignis:
1869/70 Am 12.04.1869 verstirbt H. W. Müller, der Inhaber des Unternehmens Müller & Weichsel.

Die Gebrüder Steffens führen das Unternehmen unter neuem Namen als Müller & Weichsel Nachfolger fort. Neuer Inhaber ist der Kaufmann Ferdinand Steffens. Über den oder die Teilhaber ist derzeit nichts bekannt. Zumindest ein Bruder muss wohl beteiligt gewesen sein.
Noch unklar ist, was die Fabrik zu diesem Zeitpunkt produzierte. Die Zichorienfabrik im hinteren Teil des Firmengeländes, an der heutigen Salzmannstraße, produzierte weiterhin. Ob jedoch die Zigarren- und Tabakfabrik noch arbeitete ist nicht geklärt.
1881 Ferdinand Steffens läßt an der Halberstädter Straße eine großzügiges Wohnhaus für sich und seine Familie errichten.

Villa Steffens an der Halberstädter Straße
Die 1881 errichtete, heute denkmalgeschützte Fabrikantenvilla an der Halberstädter Str. 113.

Links neben der Villa wurde ein großzügiger Garten mit Laube angelegt, der bis zum "Lemsdorfer Weg" reichte und mit einer hohen Ziegelsteinmauer straßenseitig eingefriedet war. Rechts der Villa befand sich das Haupttor zum Fabrikgelände. Eine zweite Einfahrt bestand am hinteren Ende des Areals, am Königsweg (heute Salzmannstraße), wo die Zichorienfabrik betrieben wurde.
1888 Der 1. Bauabschnitt der Schokoladenfabrikation Müller und Weichsel Nachf. wird erstellt.
Mit Planung und Bauausführung war der Sudenburger Industriearchitekten Max Behrend beauftragt. Es entstand u.a. ein dreigeschossige Fabrikgebäude aus dem in dieser Zeit typischen Ziegelsichtmauerwerk. Es ist heute noch erhalten und liegt etwas zurückgesetzt auf dem Gelände, hinter dem nach 1990 entstandenen Gebäudekomplex der "Eiskellerpassage".

Erhaltene Gebäude der ehemaligen Schokoladenfabrik
Das erhaltene Gebäude der Schokoladenproduktion von 1888.
1890 Im 2. Bauabschnitt werden die hinteren Anbauten erstellt, die heute nicht mehr vorhanden sind.
1900 26.10.: Der Fabrikbesitzer Ferdinand Steffens verstirbt im Alter von nur 56 Jahren und wird auf dem "Neuen Sudenburger Friedhof" beigesetzt.
Anm.: Wer nun die Leitung der Firma übernahm und wer neuer Inhaber wurde ist ungeklar.
1910 Über die Tätigkeit des Unternehmens zu dieser Zeit gibt der Firmenbriefkopf (siehe oben) Auskunft:
Fabrikation von Zichorienpulver, Schokolade und Malzkaffee, sowie der Handel mit Tee.

Neben Schokolade wurden auch Zuckerwaren hergestellt und mit Kakao gehandelt. Produkte waren u.a.:
"Theater Confekt", "Dragee Kaffeebohnen", "Haushalt Chocolade" und Kräuter-Karamellen "Marke Rudi", die in Blechdosen vertrieben wurden.

Werbung in heutigem Sinne gab es zu dieser Zeit noch nicht. Viele Unternehmen setzten Sammelbilder ein, um die Käuferschaft an die Marke zu binden. Solche Sammelbildserien gab es sowohl für den Betriebsteil "Chokolade-Fabrik", als auch für den Betriebsteil "Cichorien- und Caffee-Surogat-Fabrik".

Sammelbild Geschichte Preußens Müller & Weichsel Nachfolger  Sammelbild Rückseitenaufdruck Müller & Weichsel Nachfolger
Sammelbild aus der Serie "Preussische Geschichte" der Schokoladenfabrik Müller & Weichsel Nachfolger.
[Bildquelle: Archiv Sudenburg-Chronik]
1914 Gründung der Dom-Chokolade-Fabrik Gebr. Steffens & Co.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs erfährt das Unternehmen durch die Konzentration auf die Schokoladen und Süßwarenherstellung einen Umbruch. Der ursprüngliche Name "Müller & Weichsel" wird abgelegt. Gemeinsam mit einem neuen Teilhaber firmiert die Firma nun unter "Dom-Chocolade-Fabrik Gebr. Steffens & Co.". Bei dem neuen Teilhaber könnte es sich um Walter Engel gehandelt haben, der als "Siedemeister" im Unternehmen tätig war.
Das stark rückläufige Zichoriengeschäft und die Malzkaffeeproduktion werden aufgegeben und verkauft und wahrscheinlich auf dem Gelände weitergeführt von der Firma Robert Brandt
1919 Walter Engel wird Alleininhaber der Dom-Chokolade-Fabrik. [1]
Auch das Industriegrundstück kommt in seinen Besitz. Bruder F. A. Engel verlegt daraufhin seine in der Fürstenstraße bestehende Weinbrennerei und Likörfabrik auf das Betriebsgelände an der Halberstädter Straße.
Rechts neben der Betriebseinfahrt läßt der neue Besitzer ein Wohn- und Geschäftshaus mit vier Ladengeschäften errichten. Zuvor bestand auf diesem Grundstücksteil an der Halberstädter Straße ein kleiner Garten mit Laube. [2]
Anm.: Dieses Gebäude wurde Mitter der 1990er Jahre abgerissen und 1999 durch das heutige, die "Eiskellerpassage", ersetzt. Das wohl bekanteste dort ansässige Geschäft, vielen Sudenburgern sicher noch in Erinnerung, war "Rosenplenter", das bis 2005 am Standort betrieben wurde.
1922
Müller & Weichsel Nachfolger Briefkopf 1910
Ansicht des Werksgeländes um 1922.
[Bildquelle: Auszug aus Werbeanzeige, Archiv Sudenburg-Chronik]
???? ... Fortsetzung folgt ...

Quellen:

Fundsachen:

#########Carl Heinrich Ferdinand STEFFENS
* 26.01.1844 in Magdeburg
+ 26.10.1900 in Magdeburg Sudenburg
getauft: 03.03.1844 in Magdeburg
Beruf: Fabrikbesitzer

Familien (families) Kinder (children)
1.Ehegatte:
(1st spouse)
#########Emilie Johanne BAENSCH
* 18.11.1858 in Magdeburg
+ 09.03.1914 in Magdeburg Sudenburg
oo 17.11.1877 in Magdeburg Sudenburg
#########Hans STEFFENS * 1878 in Magdeburg Sudenburg
#########Margarete STEFFENS * 1880 in Magdeburg Sudenburg
#########Emilie Marianne Helene STEFFENS * 1882 in Magdeburg Sudenburg, + 1922 in Gera, Thüringen
 
  Bemerkungen:(notes)
 
Eltern (parents) Geschwister (siblings)

Quellen:(sources)
Standesamt Magdeburg-Sudenburg

 

#########Hans STEFFENS
* 11.10.1878 in Magdeburg Sudenburg
#########Anna MARKS
oo in Magdeburg Keine Kinder gefunden!

Nach oben