Die Industriegeschichte Sudenburgs

Firmenblatt: Bearbeitungsstand: 09.09.2016

E. Bendel

Gasmotorenfabrik und Eisengießerei

Firmendaten:

Gründung - Ende: 1882 - 1913
Gründer: Eduard Bendel (* ????, † ????)
Standort(e): 1882 - 1886: Lemsdorfer Weg 18 (vormals benannt als 7-9 und 9)
1886 - 1913: Fichtestraße 29a (ehem. Fortverbindungsweg)
Produkt(e): Dampfmaschinen, Standmotoren, Gasmotoren, Maschinen für die Zuckerindustrie, Transmissionsanlagen [4]
Bemerkungen: Ein funktionstüchtiger Motor der Fa. Bendel wird im Technikmuseum Magdeburg ausgestellt.

Firmenchronik:

Jahr: Ereignis:
1882 Gründung der Maschinenfabrik E. Bendel am Lemsdorfer Weg 9 (auch als 7-9 bezeichnet, heute Hausnummer 18).
1886 Neues Fabrikgebäude in der heutigen Fichtestraße.
Bendel hatte sich nach einer Planung des Sudenburger Architekten und Baumeisters Max Behrend ein neues Fabrikgebäude am Fortverbindungsweg (heute Fichtestraße 29a) in der Nähe des Sudenburger Bahnhofes errichten lassen. Das durchgängig dreischiffige, 120 Meter lange Gebäude, wurden im damals üblichen Industriearchitekturstil errichtet: Die Außenwände aus massivem Ziegelsteinmauerwerk, das innere Tragwerk aus einer genieteten Stahltragkonstruktion. [1]
Anm.: Das später mehrfach umgebaute Industriegebäude steht heute unter Denkmalschutz.

#########
Denkmalgeschütztes Fabrikgebäude "Fichtestraße 29a". [Aufgenommen im Dez. 2012].
1896 Die Volksstimme berichtet am Mittwoch den 02.12,1896 über folgenden unschönen Vorfall:
"In der Fabrik von E. Bendel wurde vor nicht langer Zeit der Lehrling H. in geradezu unmenschlicher Weise gezüchtigt wegen eines geringfügigen Vergehens. Die Züchtigung wurde von dem Herrn Bendel und dessen Neffen, dem Gesellen Roth vollzogen. Unter hier nicht wiederzugebenden Aeußerungen züchtigte Roth den Lehrling derart, daß der Geselle desselben dazwischentreten und die Schläge auf Kopf und Rücken abwehren mußte, während Herr Bendel dem Lehrling eine Anzahl Hiebe mit einer Peitsche verabreichte. Da die Angelegenheit ein gerichtliches Nachspiel haben wird, können wir uns heute einer Schilderung dieser eines Menschen unwürdigen Behandlung ersparen."
Bei dem hier genannten Neffen von Eduard Bendel dürfte es sich um Ferdinand Roth handeln, der später die Firma unter eigenem Namen weiterführen wird. Der Wahrheitsgehalt des Artikels läßt sich hier nicht klären, wirft so aber kein gutes Licht auf Bendel und Roth. Unklar ist auch der Ort des geschilderten Vorfalls: Firmenstandort Fichtestraße oder Lemsdorfer Weg?
1899
Patent Bendel von 1899
Patent zur Ausführung von Zentrifugen für die Zuckerindustrie. [Bildquelle: Archiv Sudenburg-Chronik]
1902 Patenterteilung Kl. 6 a. 139 563:
Tiefbohrvorrichtung. Fa. E. Bendel, Magdeburg-Sudenburg. - 11.04.1902.
1904 Patentanmeldung Kl. 81c. 38 829:
Selbsttätige Förder-und Abladevorrichtung mit einem durch ein endloses Seil bewegten, auf der Strecke selbsttätig umkehrenden Wagen.
Fa. E. Bendel, Magdeburg-Sudenburg. - 24.12.1904
[Quelle: Glückauf, Berg- und Hüttenmännische Zeitschrift., Essen (Ruhr), 13. Januar 1906] Online
1906 Die Volksstimme vom 27.07.1906 berichtet:
"Achtung Modelltischler! Die Maschinenfabrik Bendel in Sudenburg sucht heute im "General-Anzeiger" zur Abwechslung wieder einmal Modelltischler. Der Betrieb gehört aber zu denjenigen, welche nicht mehr wie alles zu wünschen übrig lassen. Stundenlöhne von 35 Pfg. gehören nicht zu den Seltenheiten. Das Ueberstundenwesen ist an der Tagesordnung, weil der Betriebsleiter Roth - ein Neffe des Herrn Bendel - der Meinung ist, den elenden Verdienst durch lange Arbeitszeit erhöhen zu müssen. Ueber das Unvernünftige dieser Handlungsweise ist sich der Herr aber ebensowenig klar als über die Berechtigung der Behandlung, welche er den Arbeitern zuteil werden läßt. Doch hiermit beschäftigen wir uns vielleicht das nächste Mal. Der Herr Fabrikinspektor interessiert sich am Ende auch einmal für diese Tischlerwerkstatt. Eine Wascheinrichtung ist etwas Unbekanntes. Bei der geringen Bewegung wird entsetzlicher Staub aufgewirbelt. Eine Badeanstalt wäre hier fo notwendig wie nur irgend etwas. Der Fabrikbesitzer Bendel und sein Neffe, Herr Roth, welche alle diese Reinigungseinrichtungen in ihren Villen Und Palästen für sich haben, sind aber der Meinung, daß die Arbeiter, wenn ihnen dieser Schmutz nicht gefällt, das Volksbad, das so bequem vor der Fabrik erbaut wurde, benutzen können. Die Modelltischler haben also alle Ursache, diese Musterwerkstatt aus obrigen Gründen zu meiden."
  Die Volksstimme vom 12.08.1906 berichtet:
Der Modelltischler Robert Gratzé hat sich am Freitag Nachmittag (Anm.: 10.08.) in der Maschinenfabrik von E. Bendel, Lemsdorferweg 9, an der Hobelmaschine drei Finger der rechten Hand verletzt. Er fand im Sudenburger Krankenhaus Aufnahme.
Diese Meldung besagen
- dass neben der neuen Fabrik in der Fichtestraße auch der Standort am Lemsdorfer Weg weiterhin betrieben wird.
- dass Bendels Neffe Ferdinand Roth inzwischen zum Werkleiter aufgestiegen ist.
- dass die Arbeitsbedingungen bei Bendel, zumindest in der Modelltischlerei, nicht sehr gut waren.
1907 Umbau der Zuckerfabrik Heilbronn
Neben E. Bendel ist die Maschinenfabrik Grevenbroich an diesem Umbau beteiligt. [4]
1911 #########
Werbeanzeige "Schiffswinden-Motor" von 1911.
[Bildquelle: Archiv Sudenburg-Chronik].
1911-16 Akten im Landesarchiv Baden-Würtemberg:
Findbuch N Haselwander: Friedrich August Haselwander (1859-1932): Ingenieur und Erfinder
3.2.8 Zusammenarbeit mit der Gasmotorenfabrik E. Bendel, Magdeburg:
- N Haselwander Nr. 220: Optionsvertrag zwischen Haselwander und der Firma Bendel, 20. September 1911
- N Haselwander Nr. 221: Korrespondenz mit der Firma Bendel über die Umwandlung der Firma in eine Gesellschaft zur Herstellung von Haselwander-Motoren, 1912
- N Haselwander Nr. 222: Handakten von Rechtsanwalt Dr. Waldemar Klinkowström in Sachen der Firma Bendel gegen Haselwander wegen einer Forderung von 400 Mark, 1913-1916
[Findbuch ONLINE]
1913 Eduard Bendel verkauft aus Altersgründen die Fabrik, da er keinen direkten Nachfolger hat.

Den Maschinenpark, Anlagen und Patente übernimmt Bendels Neffe und Werkleiter Ferdinand Roth, der die Produktion der Bendel-Motoren an neuem Standort am Königsweg, der heutigen Salzmannstraße, unter eigenem Namen weiterführt. [2]
Er gründet zu diesem Zweck die: F. Roth, Maschinenfabrik und Reparaturwerkstatt
   
  Weitere Nutzung des Standortes Lemsdorfer Weg 18:

Die Nutzung zwischen 1913 und 1932 ist unklar.
Spätestens seit 1932 gehören die Grundstücke 7-9 der Feilenfabrik Gebrüder Ufer GmbH. Die Grundstücke 8 und 9 sind bereits mit Mietshäusern bebaut. Das Fabrikgrundstück ist mit Nr. 7 bezeichnet. Bei einer Neunummerierung der Straße (wahrscheinlich 1936) erhält das Grundstück die Nr. 18, die Hausgrundstücke die Nummern 20 und 22.
1937 kauft O.K. Bley das Grundstück Nr. 18 und bezog es mit seiner Maschinenfabrik und Zylinderschleiferei. Nr. 20 und 22 verblieben im Besitz der Feilenfabrik Gebr. Ufer GmbH. Im Adressbuch von 1950/51 ist O.K. Bley auch Besitzer des Mietshauses Nr. 20. Die Feilenfabrik wird nicht mehr geführt.
  Weitere Nutzung des Standortes Fichtestraße 29a:

Das Grundstück und das Fabrikgebäude Fichtestraße 29a werden an den späteren Flugpionier Hugo Junkers verkauft. Am 13.07.1913 nimmt am Standort die "Junkers Motorenbau GmbH" die Arbeit auf, die Otto-Motoren produzierte, entwickelte und verbesserte. 1919 wird die Produktion ins Stammwerk nach Dessau verlegt. [3]
Anm.: Die Homepage von Junkers und andere Quellen geben an, dass die Junkerschen Unternehmungen bereits 1915 am Stammsitz Dessau zusammengelegt wurden. Die Motorenproduktion in Sudenburger wird also bereits 1914/15 aufgegeben worden sein.

1914: Gründung der Ergon Motoren- und Gasgeneratorenfabrik GmbH am Standort Fichtestraße 29a.
1918 umgewandelt in die Mitteldeutsche Motorpflug GmbH:
"More German Ploughs.
The growing need for motor ploughs in Germany, brought about by the lack of labour, is proved by the formation' of a new company, the Ergon Motor and Gas Generator Co., Ltd. in Magdeburg, having been transformed into the Middle German Motor Plough Co., Ltd. They are to manufacture and operate on big lines motor ploughs, agricultural machinery, steam,,plooghs, etc."

Quelle: WHEELS OF INDUSTRY - FRY., 31st January 1918, Page 4 Online
Was aus dieser Firma wurde ist unklar.

1919 kauft der Unternehmer Georg Becker die Fabrik und produziert zusätzlich an diesem Standort mit seinen Unternehmen Georg Becker & Co. und Gebr. Becker & Co.Transportanlagen bzw. Transportgeräte.
Becker nutzt den Standort bis 1935.

Anschließend übernimmt die Firma Polte das Areal und produziert bis Kriegsende (1945) am Standort Geschosshülsen.

Nach 1945, bis zur Wende, nutzt der VEB Brauerei- und Kellereimaschinen Magdeburg (BKM) das Gelände.

Quellen:

Nach oben