Die Geschichte der Kirche(n) St. Michael(is)

Die 2. Kirche: nach 1213 bis 1550

Vorwort:
Auch über die neu errichtete 2. Kirche St. Michaelis ist nicht viel überliefert. Einige Texte geben Auskunft über einen sie umgebenden Kirchhof. Auch waren, wohl aufgrund ihrer südlicheren Lage, die reformatorischen Aktivitäten um die Kirche St. Michaelis intensiver als bei der zweiten Kirche der Sudenburg St. Ambrosius. Neben dem Pfarrer Ludolph Castrick taucht auch immer wieder der Name eines ehemaligen Mönchs namens Gabriel auf, der sich mit seiner Familie im Flecken St. Michael niedergelassen hatte. Diese Familie hatte gute Kontakte zu den lutherisch gesinnten Bürgern und Geistlichen der Altstadt und lehnte sich wiederholt gegen die katholischen Kirchenführung auf. Ob St. Michaelis offiziell einen Lutherischen Pfarrer erhielt, St. Ambrosius erhielt diesen im Jahr 1544, ist nicht bekannt.

Chronik:

 - nach 1213 -   [nach oben]

Die 1213 zerstörten Siedlungen im suburbium, dem südlichen Magdeburger Vorstadtgebiet, werden wieder aufgebaut. Darunter auch das Kollegiatstift St. Peter und Paul mit seiner Stiftskirche St. Michaelis im südlichen Suidersdorp. Das genaue Jahr der Wiedererrichtung ist leider nicht überliefert.

 - 1288 -   [nach oben]

Erzbischof Erich von Brandenburg verlegt das Stift Peter und Paul in die Neustadt. [Gruhl1, S. 254]
Die Kirche St. Michaelis wird Pfarrkirche der Siedlung Suidersdorp, das Patronat verbleibt beim Stift.

 - 1369 -   [nach oben]

13.03.: Erzbischof Albrecht bestätigt dem Stift St. Peter und Paul in der Neustadt das Patronatsrecht über die Kirche St. Michaelis und verleiht der sie umgebenden Siedlung einen neuen Namen: Er bestimmt den Flecken "in surburbio" von nun an nicht mehr "suidersdorp", sondern St. Michael zu nennen. [UBM1, Nr. 497, S. 319f], [Wüst, S. 260, 343]

 - 1516 -   [nach oben]

Neben den beiden Magdeburger Dompredigern D. Johann Scheyring und Andreas Kaurdorf predigte auch der Pfarrer von St. Michaelis, Ludolph Castrick, schon vor Luther, und auch nachher, öffentlich wider den Ablasshandel und ermahnte seine Zuhörer, nur bei Christus Ablass oder Vergebung ihrer Sünden zu suchen. Auch prophezeite er, dass der "Ablasskram" in Kürze durch irgend eine Kirchenverbesserung ein Ende nehmen werden. Er wurde für diese Überzeugungen von den Katholiken verfolgt und wahrscheinlich vertrieben. [Rath3, S. 327ff]

 - 1517 -   [nach oben]

09.12.: Der zum Kardinal erhobene Erzbischof Albert kehrt nach Magdeburg zurück. Die drei ersten Bürgermeister der Stadt Magdeburg aus dem regierenden, alten und oberalten Rat, Nicolaus Sturm, Thomas Schulz und Heinrich Westphal, ritten ihm mit ihrem Gefolge von 96 Pferden entgegen. Der Klerus und sämtliche Magistrate der Altstadt, Neustadt und der Sudenburg, empfingen ihn zu Fuß an der Südgrenze der Sudenburg, an der Kirche St. Michaelis, in "stattlicher Procession".
Anm.: Die Räte waren zu dieser Zeit, anders als die Magdeburger Bürger, mehrheitlich noch katholisch gesinnt. [Rath3, S. 316]

 - 1550 -   [nach oben]

29.11.: Zerstörung der Kirche während der Belagerung Magdeburgs.
Um zu verhindern, dass die Truppen des Ernst von Sachsen sich der Sudenburg bemächtigen und sich, wie in der Neustadt geschehen, darin festsetzen können, wird die gesammte Sudenburg von den Magdeburgern niedergebrandt. Auch die beiden Kirchen der Sudenburg, St. Ambrosius und St. Michaelis, werden Opfer dieser Zerstörung. [Rath3, S. 573]

 - nach 1550 -   [nach oben]

Die Kirche St. Michaelis wird nicht neu erichtet, sondern der Pfarrbezirk mit dem von St. Ambrosius zusammengelegt. Die neue, gemeinsame Kirche entsteht im Mariendorf, zwischen der Domherrensiedlung "Pralenberg" und dem Flecken St. Michael gelegen. Aus heutiger Sicht etwas südlich des heutigen Furstenwallparks, auf Höhe der Bürgelstraße. Der Name der gemeinsamen Kirche ist in zwei Schreibweisen überliefert:

"S.S. Ambrosii und Michaelis" bzw. "St. Michaelis und St. Ambrosii"

Informationen zu dieser Kirche sind unter St. Ambrosius (3. Kirche) erfasst.

Quellen:

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aktualisiert: 26.08.2015